Das Schreiben.....

Gerade wenn dein Kind mit dem Schreiben beginnt, gilt es auf einige Dinge zu achten.

Ob dein Kind schön schreibt, oder nicht, hängt oft von vielen Faktoren ab. Keinesfalls davon: dass es ein Bub ist, dass der Papa auch keine schöne Handschrift hat, ....

Der Arbeitsplatz:

Prüfe, ob die Tischhöhe der Größe deines Kindes angepasst ist. Wir schreiben eigentlich mit dem ganzen Körper. Wenn der Tisch zu hoch oder zu niedrig ist, muss dein Kind diesen Unterschied permanent mit seinem Körper ausgleichen und das ist sehr anstrengend.

Schaue auch genau, ob der Körper deines Kindes einen Schatten auf sein Heft wirft. Auch das ist kann sich negativ auf den Lernerfolg auswirken.

Die Vorlage:

Wir beginnen mit Druckschrift und erarbeiten dann die Schreibschrift.

Du kannst die Schreibschrift für den Computer hier herunterladen und deine eigenen Vorlagen drucken. 

Du kannst auch die Sätze aus eurer Literatur für das Copywork in Druckschrift oder Schreibschrift ausdrucken. Die gute Vorlage ermutigt zum Kopieren. Diese Sätze klebst du dann (ordentlich und gerade) in das Übungsheft und dein Kind schreibt darunter in die Zeilen. Gut geeignet ist dieses Heft.

Zuerst schreiben wir jedoch auf ein Whiteboard (den Link findest du weiter unten im Text).

Du kannst beim Schreiben lernen darauf achten, jene Buchstaben gemeinsam zu lernen, die einen ähnlichen Aufbau haben. 

Alle Buchstaben, die mit einem geraden oder schiefen Strich beginnen: m, n, h, i, v, w, ...

Alle Buchstaben die eine Schlaufe haben (einen Kreis in sich tragen): g, p, d, a, ...

So hat Charlotte Mason es gemacht.

Das würde dann so aussehen:

1. Tag: übe den Strich

2. Tag: über das I

3. Tag: übe einen anderen Buchstaben aus dieser Reihe

4. Tag: wiederhole was du gelernt hast

Du siehst, Charlotte Mason unterrichtete in einem schnellen Tempo, weil sie es den Kindern zutraute.

WICHTIG: dein Kind muss mit dem Ergebnis zufrieden sein. Es übt so lange am Whiteboard, bis es mit dem Ergebnis zufrieden ist, und schreibt es erst dann in das Heft.

Zeit:

Lass deinem Kind beim Schreiben Zeit. Unter Zeitdruck neigen wir dazu klein zu schreiben und dann passieren gerne Flüchtigkeitsfehler (die das Kind dann manchmal selbst nicht mehr sieht, weil die Schrift so klein ist).

Der Faktor Zeit spielt eben auch eine Rolle bei der Frage, wie lange wir eine Sache Üben. Wir sagen ja immer, in der Volksschule maximal 5 bis maximal 15 Minuten (pro Einheit versteht sich, dann machen wir etwas Anderes). Wenn dein Kind 20 Minuten braucht, um ein Wort korrekt abzuschreiben, dann ist das so - wichtig ist, dass dein Kind nicht mutlos wird, oder verzweifelt. Wenn dein Kind jedoch Mühe hat und wirklich versucht sein Bestes zu geben dann kann auch nach 10 Minuten Schluß sein - im Guten. Denke danach drüber nach, ob deine Vorstellungen vielleicht zu hoch gegriffen sind oder waren. Denke darüber nach, ob alle Voraussetzungen gegeben sind oder waren (bei deinem Kind und in der Umgebung). Und bestrafe dein Kind keinesfalls mit Zeit! Manche neigen dazu dem Kind zu sagen: "Das hast du jetzt aber nicht gut gemacht und deshalb musst du am Nachmittag noch einmal üben." Überlegt einmal selbst, ob das sinnvoll ist?

Jetzt hat das Kind schon Probleme mit dem Schreiben lernen und dann wird es auch noch damit bestraft, diese Sache noch länger zu tun? Diese Vorgangsweise wird nicht dazu führen, dass das Kind versucht sein Bestes zu geben. Es wird Verhaltensweisen entwickeln um diese Strafe zu umgehen...

Das Kind soll den Zeitpunkt wann es zu schreiben beginnt bestenfalls selbst aussuchen. Charlotte Mason  hält nichts davon, das Kind zu früh zu etwas zu drängen. Das Interesse für Buchstaben entsteht durch das Lesen. 

Denke daran, dass das Kind, wenn es zu schreiben beginnt, seine Hand kontrollieren muss und gleichzeitig versucht, jenes Bild, das es vor seinem inneren Auge sieht auf ein Blatt Papier zu bringen! Charlotte Mason erinnert uns immer wieder daran, das nicht zu vergessen und der Arbeit des Kindes in diesem Sinne Respekt zu zollen. Der Zeitpunkt des Schreibens kann also sehr wohl VOR dem sechsten Lebensjahr liegen, wenn dein Kind das Interesse dazu zeigt. Du sollst es nur nicht drängen.

Wir lernen zuerst wie man den Stift richtig hält (das könnt ihr schon sehr früh beim Zeichnen beginnen) und dann, wie man ihn kontrolliert - den Stift. Das ist eine Phase die so circa mit dem 4en bis 5en Lebensjahr beginnt und etwas dauert. Wie gesagt, manche Vierjährige haben Interesse daran nach einer Vorlage zu schreiben und manche erst später, das ist OK. Keinesfalls begrenzen wir das freie Zeichnen und Malen in diesem Alter, weil dieses freie Arbeiten noch viel mehr die gute Stiftführung und auch die Hand-Auge-Koordination fördert. Sobald wir erkennen, dass das Kind bereit ist, fangen wir an. (Schon wieder so ein "Homeschool-Luxus".)

Benutze ein Whiteboard oder eine kleine Tafel zum Üben statt Papier und Bleistift. Ihr verbraucht weniger Ressourcen und Ergebnisse, die deinem Kind nicht gefallen, verschwinden. Es ist schon richtig, dass wir aus Fehlern lernen, wir sollen jedoch auch vom Besten als Vorbild lernen. Charlotte Mason empfiehlt erst auf der Tafel (dem Whiteboard in Heft Format) zu üben und dann auf dem Blatt mit Bleistift. Erst zum Schluß schreiben wir mit Füllfeder und Tinte. Eines nach dem Anderen.

Die Übungseinheiten am Anfang dauern nicht länger als 5 - 10 Minuten! Du schreibst den Strich, den Bogen, was auch immer vor, dein Kind schreibt das auf seinem Whiteboard nach. Ist es gut, dann macht noch eines, weil es so gut gegangen ist, setzt ein realistisches Ziel für das nächste Mal, und fertig. Wenn es nicht gut klappt, kann das Kind das Geübte selber Weglöschen und noch einmal probieren. Ihr ermutigt das Kind sein Bestes zu geben. Sieht es so aus wie die Vorlage, ist es genug.

Die Beurteilung, ob das Geschriebene gut, oder nicht gut ist, macht dein Kind. Wenn wir es dem Kind nicht zutrauen, dass es selbst erkennen kann, ob sein Buchstabe dem der Vorlage entspricht, erklären wir unser Kind für dumm und unfähig. Es kann schon sein, dass dein Kind andere Ansprüche hat, oder vielleicht einen anderen Geschmack, was Ästhetik und Schönheit betrifft, das ist jedoch sein gutes Recht. Der Sinn des Schreibens besteht darin, Wörter für andere Menschen zu erhalten, damit diese sie später einmal lesen können. Wichtig ist also das richtige Schreiben der Buchstaben: beim großen A fangen wir links unten an, gehen nach rechts oben und wieder zurück nach unten. dann verbinden wir das offene Dreieck mit einem Strich in  der Mitte. Wenn du dein Kind die Buchstaben irgendwie schreiben lässt, kann das flüssige und schnelle Schreiben nicht entstehen. Das kann dein Kind später behindern.

Warum tun wir das? Schreiben ist eine Übungssache, das kommt mit der Zeit. Wenn du dein Kind zu lange Üben lässt, ist das sehr ermüdend. Ausdauer ist nämliche auch eine Gewohnheit, die mit der Zeit kommt. Wenn du dein Kind üben lässt, wenn es müde oder frustriert ist, wird es nicht mehr in der Lage sein, sein Bestes zu geben und das ist laut Charlotte Mason klar am Ziel vorbei. Wenn es also heute nicht so klappt, probiert es später noch einmal, oder morgen; gebt nicht auf. Mit der Zeit wird es besser und schneller vorangehen.

Da ihr im besten Fall das Lesen vor dem Schreiben erlernt, die Buchstaben jedoch schon spielerisch im Kindergartenalter erlernt habt, ist es auch relativ egal mit welchem Wort ihr das Schreiben anfangt. Mama, Papa und der eigene Namen sind immer eine tolle Sache und selbstmotivierend. Nehmt aber auch Wörter aus den Lieblingsbüchern eurer Kinder als Vorlage, aus einem Buch, das es schon lesen kann. Zeigt ihnen die Quelle dieser Wörter. Druckt es in Druckschrift oder Schreibschrift aus und gebt das als Vorlage. Charlotte Mason sagt, dass Kinder immer im Kontext lernen sollen, um die Sinnhaftigkeit des Lernens zu erhalten.

Lesen lernen