Deutschunterricht - Das Verfassen von Texten - Aufsatzschreiben - Sprache Teil 2

Das Verfassen von Texten beginnt im Kopf.

Die Narration, das Nacherzählen ist der erste Schritt und erfolgte bei Charlotte Mason in allen Schulstufen. Beim genauen Nacherzählen einer gehörten Geschichte, gehen die Kinder Schritt für Schritt den Ablauf durch: wie hat es angefangen, wer spielt mit, was war aufregend, wie ist es ausgegangen.

Beim Nacherzählen lernt dein Kind, die Geschichte die es im Kopf hat - die es gehört hat -, mit eigenen Worten nachzuerzählen. Da wir die Literatur gut auswählen, können wir auch sicher sein, dass es sich um gute Beispiele handelt, die wir dem Kind anbieten.

In der 1. bis 3. Klasse wird meist mündlich nacherzählt. Du kannst dein Kind aber Teile, oder eine ganze Narration auch schriftlich nacherzählen lassen. Denkt daran, dass man schriftliches Erzählen erst üben muss bevor man es gut kann und halte dich am Anfang mit Korrekturen zurück und auch damit zu früh das "Aufsatzschreiben" in seinen Teilen zu unterrichten.  Versuche die Freude am Erzählen zu erhalten. 

In diesem ersten Schritt zur schriftlichen Arbeit geht es vorrangig darum, die Fähigkeit seine Gedanken zu ordnen, zu kultivieren. Das ist oft auch für Erwachsene nicht so einfach. Denke daran.

Der eine  Weg zum guten Aufsatz ist also das mündliche Nacherzählen. Ein zweiter Weg, der auch ganz wichtig ist, ist das Copywork - das Abschreiben aus den Büchern die wir lesen. Bevor ein Kind gut schreiben kann, muss es erst wissen, wie ein guter Text aussieht. Wenn ein Kind zu sprechen beginnt, kopiert es ja auch die Sprachvorbilder, die es umgeben. Genau so ist es mit dem Schreiben. Wir brauchen gute Vorbilder, die uns zeigen, wie es geht. Darum schreiben wir nicht wahllos Sätze ab, sondern überlegen, ob dieser Satz eine Aussage beinhaltet, die ihn würdig machen kopiert zu werden. Anhand dieser Sätze zeigen wir den Kindern auch was Grammatik und Rechtschreibung ist und auch wie eine gute Satzstellung aussieht.

Ab der dritten Klasse wird also immer mehr schriftlich Nacherzählt. Charlotte Mason hat einige Tips für dich:

- Lass dein Kind am Anfang über Dinge schreiben, die es real kennt oder die ihm sehr wichtig sind.

- Achtet darauf, bei der Auswahl der Texte auch unterschiedliche Textsorten zu nutzen und erarbeitet diese Unterschiede in der Narration - beim Fragenteil heraus. Eine Personenbeschreibung ist anders aufgebaut als ein Erlebnisaufsatz usw... in den höheren Schulstufen, erhöht sich auch der Anspruch. Bedenkt bei eurer Jahresplanung also welche Textsorten in diesem Schuljahr vorkommen und sucht euch dementsprechende Beispiele.

- Denkt daran auch andere Textarten als Aufsätze zu verwenden. Das können Tagebucheintragungen sein, Briefe oder Dialoge.

Was sagt Charlotte Mason selbst über das Schreiben von Texten in der Schule? (Nachzulesen Band 6 S. 190ff)

Sie sagt, dass viele Lehrpersonen den Fehler machen, das Aufsatzschreiben methodisch und mit viel Druck zu unterrichten. Aufsatzschreiben beginnt bei zwei- bis drei-jährigen Kindern, die gerne und viel erzählen, auch wenn wir Erwachsene das Erzählte oft nicht verstehen. Mit etwa sechs Jahren ist ein Kind in der Lage eine sinnvolle Geschichte erzählen. Charlotte Mason sagt, vor dem Texte schreiben müssen wir dem Kind die Kunst des Erzählers beibringen.

Die Fähigkeit Texte zu schreiben entsteht intuitiv, indem das Kind immer wieder nacherzählt und nicht durch regelgeleiteten Unterricht.... ab einem Alter von acht Jahren sollten die Kinde bereits ein Kapitel nacherzählen können. 

Wir müssen dem Kind den Punkt und die Großbuchstaben nicht beibringen ... wir sollen sie nicht necken... sie lernen das, wenn sie lesen. Charlotte Mason verbot es den Kindern nicht, zweitklassige Literatur zu lesen, nur während der Schulzeit war es nicht erwünscht.

Es ist nicht schlimm, wenn dein Kind nicht jedes Wort des Buches versteht, dein Kind soll mit dem Autor des Buches eine Vertrauensbasis aufbauen und dazu braucht es keinen Vermittler, der den Sinn des Textes zerstört, indem er Wörter erklärt. Ihr erklärt die Wörter dann, wenn das Kind fragt, oder wenn ihr Copywork (Abschreiben) übt.

Ab der dritten Klasse Volksschule schreiben die Kinder selbst kleine Texte. Sie schreiben über die Lieblingsszene aus einem Buch, über ihren Tagesablauf, über den heutigen Geschichtsunterricht. Das Schrieben von Texten ist kein Zusatz zum Unterricht, sondern wird in allen Fächern integriert. Übung macht den Meister und es ist wichtig, dass jedes Kind seinen eigenen Stil und Ausdruck entwickeln darf. Wir müssen das Aufsatzschreiben nicht gesondert einüben, weil wir so die Kinder klein und unselbstständig halten. Sie brauchen ein weites Feld und viele Möglichkeiten zu Üben.

Mit zwölf sollte dein Kind in der Lage sein, selbstständig und schriftlich zu arbeiten... ja sie hatte ein Tempo drauf, die Gute... sie hatte nämlich großes Vertrauen in die Kinder.

Spätestens in der Mittelschule beschäftigen wir uns mit einer Vielzahl von Texten; von Prosa bis zum Roman. Lasst die Kinder Gedichte schreiben, wenn sie das wollen oder einen Zeitungsartikel verfassen, falls sie das spannend finden. Wichtig ist, dass sie gute, sinnvolle und niveauvolle Vorlagen haben, die es wert sind, als Vorlage benutzt zu werden.

Wir haben großes Glück, dass wir in unseren Deutschbüchern so viele und so wertvolle Vorschläge und Auszüge finden, arbeitet das doch nach der Methode von Charlotte Mason durch. Wir können das nur empfehlen.

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