Einige Denkanstöße...

Vielleicht denkst du dir: "Diese ganzen Sachen, die hier zu tun sind, wie soll ich mir das alles merken."

Charlotte Mason sprach selbst von einer Methode, nicht von einem System. Was ist der Unterschied?

Ein System sagt dir, wenn du X, Y und Z machst, kommt etwas Bestimmtes dabei heraus. Das ist nicht Charlotte Mason! Versuche also nicht, den häuslichen Unterricht von Bekannten oder Freunden zu kopieren, die vielleicht schon nach Charlotte Mason lernen. Bei Charlotte Mason geht es nur um das Kind, um diese individuelle Person und aus diesem Grund ist auch der häusliche Unterricht individuell verschieden. Setze also ihre Methoden so ein, wie es für dein Kind am Besten ist. Du kannst die Anforderungen an dein Kind zu jeder Zeit individuell anpassen. Lernen ist ein Prozess; Prozesse leben von Veränderungen. Wenn du mit Charlotte Mason arbeitest, kann das auch bedeuten, dass sich in deinem Zuhause etwas verändern; gehe sicher, dass das auch für deine Familie passend ist, dass sie sich damit wohlfühlen können.

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Jeder von uns hat eine eigene Vorstellung davon, was Erziehung und Bildung bedeutet. Diese Vorstellungen stehen manchmal im Gegensatz zur Einstellung Charlotte Mason's über Erziehung und Bildung.

Manche denken, dass es wichtig ist, dass das Kind mit Wissen vollgestopft wird, das es sich dieses Wissen am Besten bis zu Prüfung merkt und dann wieder ausspuckt. Viele von uns haben so gelernt - jahrelang - ein Leben lang. Nach der Prüfung haben aber auch viele den Lernstoff wieder vergessen, da unser Gehirn Platz für Neues brauchte und wir das Wissen nicht verankert hatten.

Die Methode von Charlotte Mason ruht deshalb auf drei Beinen, wie ein Schemel. Wenn du ein Bein entfernst, fällt er um. Diese Beine sind die Grundpfeiler, geben Stabilität.

Education is an atmosphere. Das ist das erste Bein. Charlotte Mason meinte damit uns als Eltern, oder auch als Lehrpersonen - die Ideen und Prinzipien die unser Leben leiten. Deine Einstellungen und Vorurteile werden das Klima in deiner Familie maßgeblich beeinflussen und dein Kinder oder deine Kinder werden von diesen Ideen lernen. Charlotte Mason war der Meinung, dass ein Drittel der Erziehung und Bildung unserer Kinder davon beeinflusst wird.

Das zweite Bein lautet: Education is a discipline. Das Wort Disziplin hat bei uns manchmal einen bitteren Beigeschmack. Charlotte Mason sagt, wir sollen mit den Kindern gute Gewohnheiten einüben. Das erinnert vielleicht an Drill, an Gehorsamstraining, an Unterwerfung. Das ist aber ganz und gar nicht das, was Charlotte Mason meinte. Charlotte Mason denkt weiter; was braucht dieses Kind als Erwachsener? Was sind die Anforderungen, die diese Gesellschaft an dieses Kind einmal stellen wird? Wie kann es in dieser Gesellschaft bestehen, ohne Schaden an der Persönlichkeit zu erleiden, oder Anderen zu schaden? Eine andere Frage, die sie sich gestellt hat war - in die heutige Sprache übersetzt - wie kann ich das Lernen stressfreier gestalten? Die Gewohnheiten, die wir mit den Kindern üben, sind Einstellungen zum Leben, die es resilient machen sollen; das heißt:  selbstbewusst, gelassen, humorvoll, menschlich, zielorientiert, intelligent und selbstreflektiert. Das ist das Ziel...

Nun kommen wir zum dritten Bein des Schemels: Education is a life. Jede Methode, die wir hier schon vorgestellt haben, führt dazu, dass das Kind in eine direkte Beziehung zum Lernstoff tritt. Es beginnt die Ideen hinter diesen Geschichten zu verstehen und dadurch wird dieses Lernen lebendig. Für diese Art des Lernens gibt es keine Zeitspanne. Es dauert das ganze Leben lang an.

Ein Satz, der das oben Gesagte gut zum Ausdruck bringt, stammt von Charlotte Mason selbst. Sie sagte: "Ich kann es nicht oft genug betonen; Information ist keine Bildung." Diesen Unterschied müssen wir erkennen. Es geht hier nicht darum, sinnlos Wissen in die Köpfe der Kinder zu bringen - nein, wir stehen hier für sinnvolle lebenslange Bildung.

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Vielleicht denkt ihr euch: das sind aber schon lasche Methoden, wie soll ein Kind so etwas lernen. Ja es stimmt, wir fangen langsam an. Es stimmt aber auch, dass wir das Level erhöhen, sobald das Kind dazu bereit ist. Das Schöne an diesen Methoden ist nämlich, dass man sie nicht verändern muss, damit sie schwieriger werden. Sie bilden einen Rahmen, der mit euren Ideen gefüllt wird und diese Ideen werden mit der Zeit wachsen - so wie die Kinder wachsen.

Wenn ihr verzweifelt...

Sei gnädig mit dir selbst. Du hast beschlossen dein gesamtes Konzept für den häuslichen Unterricht zu verändern - das braucht Zeit; daran muss man sich erst gewöhnen. Es wird Höhen und Tiefen geben, vielleicht für einen längeren Zeitraum. Versuch trotzdem das Beste in jedem Moment zu geben. Das ist einmal mehr und einmal weniger. Sei also gnädig mit dir selbst und gib dein Bestes (es ist gut genug). Mit der Zeit kommt alles wieder ins Gleichgewicht.

Sei darauf bedacht, dass du die Erziehung und die Bildung deines Kindes im Auge behältst. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind im Moment aufgrund seines derzeitigen Verhaltens nicht in der Lage ist, eine Formel in Mathe zu verstehen, dann arbeitet an dem Verhalten. Du brauchst ein Ziel an dem du mit deinem Kind arbeitest und dieses Ziel sollte für dein Kind realistisch sein. Überlege als in Liebe und Respekt, wie ihr an diesem Ziel arbeiten könnt. Gemeinsam - du begleitest dein Kind, es ist nicht alleine.

Die Philosophie von Charlotte Mason hat ein Ziel. Dieses Ziel heißt Wachstum. Dabei ist nicht nur der Lernzuwachs oder geistiges Wachstum gemeint, sondern auch die Reifung der Persönlichkeit. Wir arbeiten auch an Selbstkontrolle, Problemlösefähigkezten und dem sozialen Fähigkeiten, wie die Fähigkeit zu wertschätzend und respektvoll zu Kommunizieren. Schaut euch auch den spirituellen Wachstum eurer Kinder an. Wir wollen eine ganzheitliche und lebendige Bildung und Erziehung. Das ist unser Ziel.

Charlotte Mason selbst sagt dazu:

“The question is not,—how much does the youth know?

When he has finished his education—but how much does he care?

And about how many orders of things does he care?

In fact, how large is the room in which he finds his feet set?

And, therefore, how full is the life he has before him?”

(School Education, pages 170 and 17