Die ersten Lernjahre

Wie  bereite ich mein Kindergartenkind nun gut auf das schulische Lernen vor? 

 

Wenn du nach der Charlotte Mason Methode arbeiten möchtest, ist es wichtig, dass du das Ziel ihrer Methode kennst und verstanden hast. Das Ziel ist: selbstgesteuertes Lernen zu lernen. Das bedeutet, dass der Lernende seine Ziele selbst festlegt und auch den Weg dorthin und zwar unabhängig von etwaigen Einwirkungen von aussen. 

Charlotte Mason wollte nicht, dass Kinder für eine Note, für ein Lob oder für eine Belohnung lernen, sondern für das Lernen an sich, für den eigenen Wissenszuwachs. 

 

Selbst(gesteuerte)bildung ist die einzig mögliche Art der Bildung, alles andere ist oberflächlich. (Band 5, S. 240).

 

Aus diesem Grunde machte sie sich auch viele Gedanken über jene Verhaltensweisen, die Kindern beim selbstgesteuerten Lernen helfen können.

 

Das erste Lernen des Menschen ist Selbstlernen. Das kling zwar so ähnlich ist aber etwas anderes. Babys und Kleinkinder lernen zu krabbeln, zu gehen, zu sprechen, ohne von aussen belohnt zu werden, aus sich selbst heraus. Charlotte Mason empfahl dieses Selbstlernen bis zum Schulalter zu fördern und gleichzeitig Lerninhalte in das Spiel - also spielerisch - einzubauen, damit das Kind sanft in dieses schulische Lernen hineinwächst. Der Unterschied: beim Selbstlernen gibt das Kind den Impuls und auch das Thema vor, beim Kompetenzlernen, wie man das schulische Lernen gerne bezeichnet, ist das Thema vorgegeben, soll aber auch am Interesse des Kindes anknüpfen (das tut in diesem Fall ihr, indem ihr die Methode oder das Material auswählt).

 

Die zweite Komponente, die wir in diesem Alter unbedingt beachten müssen ist:

 

Erziehung und Bildung ist die Wissenschaft der Beziehungen

 

In der Zeit der Schulvorbereitung ist es also nach Charlotte Mason viel wichtiger dafür zu sorgen, dass unsere Kinder in ein nützliches Arbeitsverhalten hineinwachsen, als ihm ein gut strukturiertes Unterhaltungsprogramm anzubieten. Das ist dein Job. 

 

Was heißt das jetzt konkret, oder: was konnten die Kinder bei Charlotte Mason?

 

In erster Linie geht es um Beziehungen die dein Kind zu dir und zu seiner Umwelt aufbaut.

Kinder sollten sich in diesen frühen Jahren mit ihrer Umwelt auseinandersetzen - mit der Umwelt in der sie leben. Damit Kinder später aufmerksam lernen, ist es wichtig, dass ihre Aufmerksamkeit (die ja von selbst da ist) in diesen frühen Jahre geweckt und auch gelenkt wird. Zusätzlich zu diesem aufmerksamen Wahrnehmen und erforschen der Lebensumwelt, dem Garten, der Pflanzen am Balkon, dem Park in unserem Viertel, der Wohnung oder des Hauses mit seinen Gegenständen, war es Charlotte Mason auch wichtig, dass Kinder früh in Kontakt mit Ideen andere Menschen treten - und zwar durch lebendige Geschichte und Bücher und durch den menschlichen Kontakt an sich. Kinder sollten bereits in diesem Altern in Beziehung zu Lerninhalten treten, denn alles Leben ist lernen.

 

Jetzt gibt es die Meinung, dass die Methode von Charlotte Mason sehr auf das Lesen konzentriert wäre und dass dabei andere Inhalte, wie Naturwissenschaften etc. zu kurz kommen. Oder auch, dass hier sehr viel Wert auf Kunst und Musik und wenig Wert auf Mathematik gelegt wird. Das ist jedoch falsch. Auch beim vorschulischen Lernen.

 

Charlotte Mason selbst sagt uns, dass wir darauf achten sollten, beim Lernen die W-Fragen zu beantworten. Die sollten wir auch auf die Methode Charlotte Masons anwenden und wenn wir das tun, dann erkennen wir, warum das Lesen so wichtig ist, wie wir das Lesen beim Lernen einsetzen, was wir lesen sollten und woher dieser Lesestoff kommt.

 

Die Erfindung der Schrift war wahrscheinlich eine der herausragendsten Dinge in der Geschichte. Dadurch war es uns möglich Ereignisse, Sachverhalte, Erkenntnisse, Ideen usw. aufzuschreiben und so dieses Wissen der Nachwelt zu hinterlassen. Diese Nachwelt musste natürlich die Schrift entziffern können, um die Information zu erhalten. Sie mussten lesen können. 

 

Lesen ermöglicht einen selbstständigen Wissenserwerb in allem Fächern! Da das Ziel für Charlotte Mason klar definiert wurde: die Selbstständigkeit der Kinder, ist es auch klar, warum das Lesen so wichtig für sie war. 

 

Mit Hilfe der Narration lernen Kinder gelesene Inhalte zu verinnerlichen, sich zu eigen zu machen. Darum ist es so wichtig, erst den Inhalt wiederzugeben und dann zu diskutieren oder interpretieren, denn so können wir uns eine eigene Meinung, die auf der Idee eines Anderen beruht, bilden. 

 

Um unsere Erinnerung, also unser Gedächtnis zu aktivieren, fing jede Stunde mit einer kurzen Wiederholung an, und zwar nicht, um Defizite der Kinder festzustellen, sondern um das bereits Gehörte zu reaktivieren und eine Verbindung zur nächsten Idee zu schaffen. Genial! Denn diese Empfehlung finden wir auch in der heutigen neurowissenschaftlichen Literatur

 

Genau das machst du auch schon in den frühen Jahren. Du wiederholst, bevor du eine Geschichte weiterliest, den Teil vom letzten Mal. Dabei bindest du dein Kind in die Zusammenfassung ein und läßt es mitreden. Das soll jedoch auf eine motivierende, unterstützende Art passieren und nicht um nachzuprüfen wieviel das Kind vergessen hat!

 

Zusätzlich sorgst du dafür, dass dein Kind mit Wissensinhalten in Beziehung tritt, die für das spätere Leben wichtig sind. Das funktioniert sehr gut, wenn du dich hoch motiviert mit einer bestimmten Sache beschäftigst. Wenn du also immer selbst beim Wäsche zusammenlegen jammerst, wie langweilig und unsinnig diese Tätigkeit ist, wird es schwer werden, dein Kind dafür zu motivieren. Lebenspraktische Dinge sind sehr wichtig für das spätere Verständnis einer eher abstrakten Welt beim Lernen. 

Die Knöpfe von den gewaschenen Hemden zuknöpfen, mit dem Bartwisch Krümel auf die Schaufel kehren, unterschiedliche Gegenstände abwaschen und abtrocknen fördern tatsächlich viele Fertigkeiten und Fähigkeiten deines Kindes, die es für das spätere schulische Lernen benötigt. So fördert das zuknöpfen die Hand-Auge-Koordination, die Konzentration und die Feinmotorik. Das Kehren auf die Schaufel fördert den Gleichgewichtssinn, der übringens sehr wichtig ist für späteres mathematisches Verständnis, Fein- und Grobmotorik werden gefördert, das genaue Hinsehen usw.  Du musst also kein Unterhaltungsprogramm erschaffen, es reicht, wenn du dein Kind in das Leben einführst. 

Wichtig ist, dass du nicht vergisst, dass es auch die Welt ausserhalb des Haushaltes gibt und dass dein Kind auch diese Welt kennenlernen soll. Es soll erkennen, wie sich die Bäume im Jahreskreis verändern, wie sich der Stand der Sonne im Laufe des Tages verändert, wie sich unterschiedliche Tierarten bewegen und welche Laute sie von sich geben. Du siehst, das ist ein breites Betätigungsfeld. 

Dazu müsst ihr auch keine weitern Ausflüge unternehmen - jedenfalls nicht ständig - es ist gut, wenn dein Kind in diesen Jahren mit seiner Umgebung vertraut wird. 

 

Hier wird demnächst ein Ebook Ratgeber entstehen, schau wieder vorbei!

Einige Texte in Anlehnung übersetzt und mit freundlicher Genehmigung  von                                                                                           Simply Charlotte Mason


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