Gewohnheiten ...

Regeln sind wichtig und Regeln sind oft schwer einzuhalten. Charlotte Mason sagt, dass Regeln einen Raum darstellen, in dem Freiheit möglich wird. 

 

Man kann Regalen leichter einhalten, wenn man sich gewissen Gewohnheiten zu eigen gemacht hat. Dabei war es Charlotte Mason wichtig, den Kindern prinzipiell genügend Freiraum zu lassen, sie nicht dauernd zu besprechen und zu bespaßen. 

 

Die erste Gewohnheit an der wir arbeiten sollten ist der intelligente Gehorsam. Genau so hat Charlotte Mason es genannt, kein blinder Gehorsam, sondern ein intelligenter. Dabei ermutigt uns Charlotte Mason, dass wir darauf vertrauen sollen, dass unser Kind "das Richtige" tun wird, wenn wir ihm das so vorleben. Sie schreibt: es reicht dem Kind mit ruhiger Stimme: "tu das" zu sagen, und zu erwarten, dass es das tun wird. Dieser Satz hat jedoch zwei Seiten, denn etwas später ermahnt sie uns: denkt über die Dinge nach, die ihr eurem Kind auftragt, und fordert nichts ein, wenn ihr euch nicht sicher seid, dass es diese Sache jetzt erfüllen kann. 

 

Eine weitere Gewohnheit an der wir in den jungen Jahren arbeiten sollten ist die Wahrhaftigkeit. Kinder neigen zu Übertreibungen. Wir sollten das Kind auf den Boden der Realität herunter holen und es dazu ermutigen, die Dinge so zu erzählen wie sie sind. Wir müssen nicht übertreiben, wir sind gut genug.

 

In diesem Kontext ist auch wichtig zu erwähnen, was Charlotte Mason über die Autorität der Eltern sagt: Autorität ist nur dann erfolgreich, wenn sie die Autonomie des Kindes fördert. Das ist ein wirklich harter Brocken, denke ich. 

 

Über die Sinnhaftigkeit von Strafen sagt sie: Strafen sind prinzipiell vermeidbar, denn keine Strafe ist so schnell und eindrucksvoll, als dass sie wirklich zu einer Verhaltensänderung führen würde. Es ist besser darüber nachzudenken, wie mein Kind gutes Verhalten lernen kann, als über die Bestrafung von unerwünschtem Verhalten nachzudenken. Dazu sagt Charlotte Mason auch: Auch wenn wir sagen, dass Erziehung und Bildung eine Disziplin ist, müssen wir anmerken, dass Disziplin nicht Strafe bedeutet, sondern das achtsame Handeln der Eltern.

Immer wieder ermahnt uns Charlotte, dass wir mit dieser Autorität die uns als Elternteil verliehen wurde sorgfältig umgehen sollen und dass wir es als Vorrecht ansehen sollten, diese Kinder Erziehung zu dürfen!

 

Es geht also nicht darum das "gute Kind" zu erziehen, sondern eher um die Möglichkeit selbstständig gute Entscheidungen zu treffen. Versteht ihr den Unterschied? Wenn ihr also Regeln erstellt, sollten diese auch im Großen und Ganzen gesehen sinnvoll sein. Statt der Strafe nutzen wir das Gespräch, um dem Kind Einsicht in das eigene Verhalten zu ermöglichen und dadurch eine Verhaltensänderung zu bewirken.

 

Vor allem geht es nicht darum ein Kind nach unseren Bedürfnissen zu erziehen, wir müssen es nicht hierhin und dorthin ziehen, oder beschneiden, es ist bereits eine vollwertige Person, nicht nach unserem Abbild erschaffen und wir dürfen diese begleiten und führen.

 

Nehmen wir die Gewohnheit das Beste zu geben. Damit meint Charlotte Mason nicht die perfekte Ausführung im Sinne des Lehrers, sondern dass das Kind eine Sache die es angefangen hat beendet (so, dass es für das Kind fertig ist) und zwar immer. Diese Fähigkeit hängt eng mit der Gewohnheit des Aufmerksam seins zusammen. 

 

Gewohnheiten, die beim Lernen wichtig sind...

 

Hier haben wir zuerst die Aufmerksamkeit. Schon interessant, oder, dass das auch bei Charlotte Mason ein großes Thema war. Das Problem ist nicht, dass wir nicht aufmerksam sein können, sondern eher, dass wir nicht gelernt haben unsere Aufmerksamkeit bewusst auf eine Sache zu richten. 

 

Charlotte Mason berichtet: Du fragst dein Kind was es über Glas weiß und möchtest gerne seine Neugier wecken, um zu erfahren, wie Glas entsteht. Die Antwort ist ernüchternd; erst erzählt es vom gläsernen Schu Cinderellas: dann erzählt es, dass SEINE Taufpatin ihm ein Boot geschenkt hat; gleich danach fällt ihm ein, dass Onkel Harry mit einem Boot nach Amerika gefahren ist und es wunderst sich, warum du keine Brille trägst, denn es könnte gut sein, dass Onkel Harry ein Brille hatte. Für uns klingt das ziemlich chaotisch, doch diese Gedanken folgen einem Gesetz, dem Gesetz der Assoziation. Diese Fähigkeit besitzen alle Menschen, die Frage ist nur, ob wir der Skalve oder der Meister unserer Assoziationen sind. 

Nun kommen wir gleich auf den Punkt, warum das Lernen mit unseren Kindern oft so schwierig ist. Es ist dann schwierig, wenn unsere Kinder während des Unterrichts an etwas anderes, als der Lernstoff denken, denn dann müssen sie immer wieder - mit Kraft - ihre Gedanken zu dem Thema zurückholen um das es jetzt gerade geht. Ein Hin und Her, ein Vor und Zurück, ... anstrengend oder?

 

Wie können wir mit unseren Kinder Aufmerksamkeit einüben?

 

Vieles davon machen wir ganz unbewusst. Wir fangen zum Beispiel bei unserem Baby an, ein Spielzeug vor seine Augen zu halten, wir warten bis es das Spielzeug mit den Augen fixiert und nach einer Zeit nehmen wir das Spielzeug weg. Wir trainieren Aufmerksamkeit. 

Charlotte Mason erzählt uns über Margret, einem kleinen Mädchen, das über die Blumenwiese läuft und ein Gänseblümchen pflückt. Sie schaut es aufmerksam an und würde es vielleicht gleich wieder wegwerfen, um eine neue Blume zu pflücken, doch die Mutter kommt dazu und freut sich mit ihrem Kind über diese Blume. Sie erzählt ihm dass das Innere der Blume gelb ist und die kleinen weißen Blütenblätter wie Wimpern aussehen. Das kleine Gänseblümchen steht also den ganzen Tag in der Wiese und sieht direkt in die Sonne, ohne mit den Wimpern zu zucken und das Aug zu schließen wie wir dann machen würden. Deshalb heißt diese Blume auf Englisch auch Daisy, das kommt von Day's eye und bedeutet Tages Auge, weil das Auge der Blume am Tag immer offen ist, wenn die Sonne scheint. Am Abend schließt die Blume ihr Auge und man sieht das Gelbe nicht mehr. 

<a href='https://de.freepik.com/fotos/gerbera'>Gerbera Foto erstellt von wirestock - de.freepik.com</a>
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Das Problem ist also, dass wir von uns aus an allem interessiert sind und das ist ein Fluch und Segen zugleich. Darum macht es Sinn, wenn du die Aufmerksamkeit deines Kindes bewusst und im richtigen Moment auf Dinge lenkst und ihm lernst bei der Sache zu bleiben, indem du diese Sache interessant machst und es dadurch deinem Kind ermöglichst mit einer Sache in Beziehung zu treten. 

Genau das machen wir in den ersten Jahren vor der Schulreife. Wir lenken im richtigen Moment die Aufmerksamkeit des Kindes auf eine Sache; das kann ein Holzbuchstabe sein; das kann eine Pflanze sein; das kann eine Geschichte in einem Buch sein - ganz egal, es ist auf jeden Fall eine Fähigkeit die wir unserem Kind lernen müssen. 

 

Mit der Schulreife beginnt auch der Unterricht und auch wenn dein Kind schon gelernt hat seine Aufmerksamkeit bewusst auf Dinge zu lenken, wird es jetzt noch einmal schwer, denn wir befassen uns jetzt immer mehr mit Worten und weniger mit Objekten. Diese Übergangszeit ist eine sehr anstrengende Zeit sagt Charlotte Mason und es ist wichtig, dass wir dabei bleiben - bei unserem Kind - und nicht aufgeben.

 

Falls du ein Kindergartenkind hast und diese Zeilen liest, lass dir von Charlotte Mason ausrichten, dass es jetzt an der Zeit ist, dass du dich mit den Methoden vertraut machst, die wir im Unterricht einsetzten. Du kannst sie gerade jetzt schon spielerisch üben, denn "es geht ja um nichts". 

 

Der Stundenplan ein Hilfsmittel das die Aufmerksamkeit fördern kann:

 

Eine Sache die es dem Kinde erleichtert aufmerksam zu bleiben, ist ein wohndurchdachter Stundenplan, der dem Kind jeden Tag mitteilt, was heute gelernt wird und wie lange wir dafür Zeit haben. Dabei ist es ganz wichtig, dass die Lerneinheiten nicht länger als 20 Minuten dauern. Es machst Sinn die Einheiten nicht länger zu planen, denn eine klare Begrenzung führt dazu, dass man sich besser konzentriert.

Dabei solltest du auf einige Dinge achten:

  • die Abfolge der Stunden sollte jeden Tag variieren.
  • plane Dinge die viel Hirnschmalz erfordern am Morgen, wenn dein Kind noch frisch ist
  • wechsle die Art der Einheiten ab, das heißt auf eine inhaltsorientierte Einheit folgt eine fertigkeitsorientierte und umgekehrt.
  • Plane jede Woche eine Bildbetrachtung, Musik hören, eine Naturbeobachtung und Narrationen ein. 
  • Ab der dritten Klasse Volksschule sollten die Narrationen verschriftlicht werden, jedenfalls ein Teil davon

Wenn das Kind nicht aufmerksam ist ...

 

Wenn dein Kind nicht aufmerksam war oder ist, sollst du es nicht mit Strafaufgaben bestrafen. Mache die Aufgaben für den nächsten Tag einfacher, dann ist dein Kind auch schneller fertig und belohne es mit der freien Zeit. Das ist eine natürliche Belohnung die Sinn macht. Du solltest daraus aber keine Bedingungen formulieren wie: wenn du  in xx Minuten fertig bist, darfst du xx. Das ist Manipulation und keine Erziehung im Sinne von Charlotte Mason. Wir lernen um des Lernens Willen und wenn wir schneller fertig sind, haben wir mehr Freizeit. Wenn das nicht der Fall ist, haben wir keine zusätzliche Freizeit und eine Belohnung nicht zu bekommen, ist auch eine negative Konsequenz. 

Vor allem müssen wir aufpassen, dass wir unsere Kinder nicht in ein Leistungsverhalten hinein erziehen. Wenn du mit mehreren Kindern zu Hause lernst ist das oft echt schwer. Wer ist als Erster fertig, wer hat das Schönste gemacht? Achte bitte darauf nicht zu werten. Jeder versucht sein Bestes zu geben und darauf musst du vertrauen, sonst wird diese Methode nicht funktionieren. 

Charlotte Mason sagt dazu: wir müssen unseren Kindern lernen, dass sie sich am Erfolg des Andren ehrlich freuen und mit dem Anderen mitleiden, wenn er erfolglos war. Und wenn wir schon meinen werten zu müssen, dann sollten wir eher das Verhalten werten, als den Inhalt oder anders ausgedrückt: wir sollten den Weg zu Ergebnis bewerten und nicht das Ergebnis an sich, denn der Eine tut sich leichter und kommt daher schneller an das Ziel und der Andere nicht. Deshalb hat der Andere aber nicht weniger daran gearbeitet an das Ziel zu kommen ....

Motivation zum Lernen ist also das Lernen an sich - der eigene Wissenszuwachs - denn das Ziel von Charlotte Masons Methode ist das selbsgesteuerte Lernen des Kindes!

 

Wenn dein Kind eine Lerneinheit geschafft hat, dann "belohne" es mit Worten wie: "Toll, wie du da durchgehalten hast und beim Thema geblieben bist!" 

 

Unsere Einstellung zu den Lerninhalten...

 

Unsere eigene Einstellung zum Lernen und zu den Lerninhalten spielt im häuslichen Unterricht eine sehr große Rolle. Wenn du also keine schöne Schulzeit hattest, oder gewisse Fächer gehasst hast, versuche das selbst zu verarbeiten und nicht im Unterricht mit deinem Kind. Es hat andere Interessen als du, es wird eigene Erfahrungen machen und es muss nicht deine Erfahrungen wiederholen oder wieder gut machen. 

Das steht insofern im Zusammenhang mit Aufmerksamkeit, als die Aufmerksamkeit des Kinder stark von der Attraktivität des Themas abhängt. Und diese Attraktivität wird einerseits von deinem Kind und andererseits von dir gesteuert... verstehst du was ich meine?

 

Überforderung ...

 

Achte immer darauf, ob dein Kind noch aufmerksam ist und wenn das nicht der Fall ist, solltest du das was ihr tut sofort beenden. Warte nicht, bis die Situation eskaliert. Überlege dir, ob die Anzahl der Aufgaben oder die Schwierigkeit für das Können deines Kindes angemessen war. 

Überforderung entsteht nicht, weil wir zu viel tun, sondern dann, wenn wir Dinge nicht tun konnten, die wir machen hätten sollen. Darum überlege dir gut, wieviel du deinem Kind aufgibst und steigere das. 

 

Manchmal fangen Kinder auch an zu trödeln, zu albern oder zu träumen. Auch das sind Situationen in denen du das was ihr gerade macht abbrechen solltest und etwas anderes beginnst. Du tauscht also einfach Fächer aus, ihr macht aber das was ihr heute vorhattet, nur in einer anderen Reihenfolge. Das musst du deinem Kind übrigens nicht erklären. 

 

Weiter geht es mit dem Arbeitsverhalten.

 

Einige Texte in Anlehnung übersetzt und mit freundlicher Genehmigung  von                                                                                           Simply Charlotte Mason


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Susanne Mashraki

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