noch mehr Gewohnheiten ...

Nachdenken....

 

Die nächste Gewohnheit, die wir bewusst mit unseren Kindern üben sollten ist das regelgerichtete Denken.

Wie wir zuvor bereits besprochen haben, ist das größte Problem, wenn wir gerne aufmerksam sein möchten, dass unsere Gedanken schweifen. Das müssen wir nicht extra tun, das passiert einfach. 

Darum sollten wir, wenn wir ein Thema erklären oder über ein Thema reden, darauf achten, dass sich das Gespräch von der Ursache zur Wirkung oder umgekehrt bewegt. Wir sollten mit unseren Kindern klar reden. 

 

Charlotte Mason schreibt auch darüber, dass wir nachdenken sollten womit wir die Vorstellungskraft unserer Kinder nähren. Das heißt, wir sollen über die Inhalte der Bücher bescheid wissen und diese sinnvoll während des Jahres einsetzten. Charlotte Mason sagt nicht, dass wir keine Phantasiegeschichten lesen sollen, sondern, dass wir aufpassen sollten, welche Assoziationen damit verknüpft werden. Vor allem empfahl sie Bücher, die nicht nur zur Unterhaltung, damit irgendjemand irgendetwas schreibt, geschrieben wurden, sondern um eine Botschaft zu vermitteln. Über Freundschaft, über Vergebung, über Liebe, über Verzweiflung - denn das sind Bücher, aus denen wir für das Leben lernen können und das wäre der Sinn des Lesens - ein Nutzen für uns selbst. Andererseits, schreibt sie, ist die Vorstellungskraft nicht etwas, das von selbst wächst, sie muss ernährt werden; warum nähren wir dann die Vorstellungskraft unserer Kinder nicht mit Dingen, die ihnen später nützlich sein können? Geschichten die ferne Länder vor unserem Auge lebendig werden lassen, als Vorbereitung für das Fach Geografie oder Geschichten über Ritter und Burgen als Vorbereitung für das Fach Geschichte? 

 

Deshalb sollen wir einerseits unsere Kinder immer wieder zum Denken anregen und andererseits die Dinge über die wir nachdenken klug wählen. Denn auch das Denken kann laut Charlotte Mason zur Gewohnheit werden und wir wäre das schön, wenn Kinder selbstständig Dinge oder Ideen bemerken, reflektieren und aufgrund ihrer bereits gemachten Erfahrungen einordnen können, um so als Persönlichkeit zu wachsen.

 

Erinnern...

 

Unser Erinnerungsvermögen ist wie ein großer Supermarkt. Alle Erlebnisse, die wir als wichtig erachten, werden dort verstaut. Wir lernen, um uns im besten Fall später an das Gelernte zu erinnern. 

Das Erinnern hängt also stark mit Interessen zusammen und die Grundlage dafür legen wir im frühen Kindesalter. Nie ist die Zahl der Synapsen wo groß, wie bei Kindern unter 6 Jahren. Dann beginnt die Selektion und wir fangen an uns mehr und mehr zu fokussieren. Aus diesem Grund fand es Charlotte Mason auch wichtig, die Kinder vor der Schulreife mit vielen Dingen in Kontakt zu bringen, damit quasi ein Fundament entsteht auf dem alles mögliche wachsen kann. 

Dann gibt es noch dieses Bulemie Lernen. Das gab es auch schon zu Charlotte Masons Zeit. Sie zitiert in diesem Zusammenhang Ruskin (Band 1, S.155) Sie stopfen sich (mit Wissen) voll, um zu bestehen, und nicht um etwas zu Wissen; sie schaffen es, und sie wissen danach nichts. Das passiert, wenn Wissen auf keinem Fundament ruht. 

Ihr könnt euch das Wissen wie einen Baum vorstellen. Da gibt es Äste mit ganz vielen Zweigen und diese Äste sind auch sehr dick. Dann gibt es kleine Äste, die zu wachsen anfangen, aber irgendwann verdorren und abfallen. Es gibt Äste die Früchte tragen und Äste die steil in den Himmel wachsen. So muss auch unser Wissen verknüpft sein und zwar nicht am Wissen selbst, sondern mit der Persönlichkeit des oder der Lernenden. 

 

Darum empfahl Charlotte Mason folgende Punkte einzuhalten:

  • Jede Lerneinheit muss mit einer kurzen Wiederholung der letzten beginnen. Damit schafft ihr einen Anknüpfungspunkt.
  • Auswendiglernen ist zu vermeiden, denn der Ausgangspunkt des Lernens ist die Idee, mit der das Kind in Beziehung tritt und die es in sich aufnimmt.
  • Versucht auch in den unterschiedlichen Fächern Anknüpfungspunkte zu finden. Mit: "das ist gleich wie", "das ist ähnlich wie", "das ist anders als".

Die Gewohnheit das Beste zu geben ... 

 

Das ist mein persönliches Highlight, wenn ich mit Eltern spreche. Ich höre immer wieder: "Mein Kind kann das nicht, denn es ist so schlampig."

Schlampig sein ist eine Gewohnheit und kein stabiles Persönlichkeitsmerkmal. Es ist wahrscheinlich einfacher schlampig und faul zu sein als gewissenhaft und fleißig. Man hat aber die Wahl; jeder von uns. 

 

Was meint jetzt Charlotte Mason damit? Möchte sie gerne Elite-Schüler und Schülerinnen ausbilden? War sie vielleicht eine Perfektionistin? Nein - ganz und gar nicht.

Es gilt folgender Grundsatz: gib deinem Kind niemals eine Aufgabe, die es nicht perfekt lösen kann.... es liegt also viel mehr an uns, an unserem Unterricht, an unserem Beistand, als am Kind. 

Wie immer hilft es klein zu beginnen, um zu wachsen. 

JEDES Kind sollte die Möglichkeit haben, perfekte Arbeiten zu erstellen um auf seine Anstrengung stolz sein zu können. 

Und noch eine Sache: Perfektion heißt bei Charlotte nicht die Perfektion die sie - oder du - feststellst, sondern Perfektion im Sinne der Vorlage, oder im Sinne der Entwicklung und Persönlichkeit deines Kindes!

Einige Texte in Anlehnung übersetzt und mit freundlicher Genehmigung  von                                                                                           Simply Charlotte Mason


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Susanne Mashraki

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