Mathematik lernen mit Charlotte Mason

 

In den sechs Bänden, die Charlotte Mason geschrieben hat, findet man jetzt nicht wirklich etwas über das Fach Mathematik.

Lange Zeit dachte man, dass sich der Unterricht von Charlotte Mason sehr auf das Lesen konzentriert hätte und dass sie den Unterricht der Mathematik vernachlässigt hätte, oder keinen Plan dafür gehabt hätte. 

Das stimm so nicht. 

 

Im Jahre 1090 kam eine junge Lehrerin an Charlotte Masons Schule, um einerseits Mathematik zu unterrichten und andererseits um der Sekretärin Elsie Kitching als Assistentin zur Seite zu stehen. Diese Frau hieß Irene Stephens. 

 

Bereits im Jahre 1911 war der Mathematikunterricht, den Irene Stephens führte, derartig ausgereift, dass sie unter Supervision von Charlotte Mason einen Artikel namens The teaching of Mathematics to Young Children im Board of Education des damaligen Englands publizierte und ein Jahr später auf einem internationalen Kongress präsentierte. 

 

Wir geben euch hier einen Einblick in diese Methode, die ohne Drill und Druck, jedoch mit Bedacht auf an atmosphere, a discipline and a life durchgeführt wird.

 

Charlotte Mason legte großen Wert auf einen breitgefächerten Lehrplan, der mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen beinhaltet. Das war nämlich zu ihrer Zeit so üblich. Wir sind heute in der glücklichen Lage, einen derartigen Lehrplan zu besitzen und müssen die einzelnen Teile nicht mehr mühsam zusammensuchen.

 

Es war Charlotte Mason schon bewusst, dass Kinder, auch wenn sie bereits zählen können, noch keinen Zahlenbegriff haben. Das war aussergewöhnlich für ihre Zeit. 

Darum begann sie auch mit der elementaren Zahlenlehre und das ist in unseren Rechenbüchern auch so. 

Wie immer setzte sie an der Umwelt des Kindes an. Wenn sie also mit der Zahl 1 begann, suchte sie zuerst gemeinsam mit den Kindern Dinge, die 1-mal vorkamen. Das ist 1 Fenster, das ist 1 Türe, usw. 

Sie legte die Zahlen auch mit Gegenständen, die die Kinder kannten und die sie auch zu Hause hatten. Es waren meist Bohnen oder Knöpfe. Wenn Kinder die IDEE der Zahl verstanden haben, sind sie in der Lage mathematisch zu Denken und das ist der eigentliche Sinn des Mathematik Unterrichts, oder?

 

Da wir davon ausgehen, das Erziehung und Bildung "an atmosphere, a discipline and a life" ist, versteht es sich von selbst, dass diese Erziehung und Bildung ab dem Zeitpunkt der Geburt beginnt und das ganze Leben des Kindes umfasst. Bis zur Schulreife soll das Kind durch seine Sinne, selbstgesteuert, durch sein ungeübtes Spiel in einer natürlichen Umgebung reifen und wachsen und nicht in einer künstlichen Umgebung "bespasst" werden. Mit dem regelgerichteten Mathematikunterricht begann Charlotte Mason nicht vor der Schulreife.

 

Die Unterrichtseinheit der Zahlenlehre aus dem Fach Mathematik betrug maximal 20 Minuten. Zuerst zeigten die Kinder die Zahl, die gerade behandelt wurde, indem sie zb 2 Fenster zeigten, dann wurde diese Zahl auf eine Tafel (wir benutzen heute ein Whiteboard, wie beim Schreibenlernen um Ressourcen zu sparen) geschrieben und erst, wenn das gut geklappt hat, haben sie begonnen erst mit Bleistift, später mit der Füllfeder die Zahlen in ein Heft mit großen Kästchen (wie das Format Heft R7) zu schreiben. Nachdem die Kinder die Zahl in das Heft geschrieben hatten, legten sie die Zahl und formten Rechnungen damit. Also bei der Zahl 3 wäre das dann: 1+1+1=3, 1+2=3, 2+1=3 usw.; sie sprachen die Rechnung, die sie gelegt hatten dazu und lernten so auch gleich, die Symbole der Addition. Sie lernten jedoch auch, dass 3+3 sechs ist und dass 2 mal 3 auch sechs ist. Sie legten auch Rechnung wie: 5-2 usw. Das heißt, die Rechenoperationen plus und minus wurden ganz natürlich auf einmal dargeboten, indem man jeden Tag 20 Minute in diese Sache investierte. Mit + und - wurde bis zur Zahl 9 auch schriftlich gerechnet und zwar NACH der Kopfrechnung, oder dem Abzählen. Die Kinder hatten in dieser Phase immer die Möglichkeit die Rechnung mit Gegenständen oder Fingern abzuzählen, oder sie im Kopf zu rechnen. Erst wurde gerechnet, dann geschrieben und dann das Geschriebene gelesen. Denn es ist wichtig die IDEE, die hinter dem Plus steht zu verstehen.... etwas wird mehr und auch die IDEE die sich hinter dem Minus verbirgt. 

 

Aus den Unterlagen von Irene Stephens geht auch hervor, dass es ihr wichtig war, dass die Kinder nicht "eins plus eins" sagten, sondern auch die Dinge mit denen gerechnet wurde nennen mussten; also "eine Bohne plus eine Bohne, ..."

 

Eine andere Sache, die erwähnenswert scheint ist, dass die Kinder nach vorne UND rückwärts zählen lernten und zwar von Anfang an. Dies sollte die Idee der Reihenfolge verinnerlichen. Das Kinde legte also 1 Bohne, dann 2 Bohnen, daneben 3 Bohnen, soweit wie es mit den Zahlen war und zählte dann aber auch wieder retour; also 3 Bohnen, 2 Bohnen, ...

 

Wenn die Kinder schon einige Zahlen und Rechnungen verstanden hatten machten sie auch kurze Einheiten mit reinem Kopfrechnen. Die Betonung liegt auf KURZ und der Zeitpunkt stimmte. Sie fingen nämlich damit die Stunde an, da sind die Köpfe noch frisch und munter. 

 

So lief das bis zur Zahl 9. Bis zu dieser Zahl zählten die Kinder mit ihren Fingern oder mit Gegenständen wie Bohnen die Zahlen und Rechnungen ab. Ab der Zahl 10 benutzten sie Zündhölzer.

 

Die Zahl 10 lernten sie wie zuvor durch abzählen. Die Idee hinter der Zahl Zehn ist, dass sie eine Einheit darstellt. Das erkannten den Kindern indem sie 10 Stück abzählten (von den Stäbchen) und diese mit einer Schnur (oder einem Gummiring heute) zu einem Paket bündelten. Das ist die Dekade, die Zehnereinheit. Nun lernten sie die Zehnerschritte bis hundert. Vorwärts und Rückwärts + und -, mündlich und schriftlich und im Kopf.

Wenn die Kinder diese Sache verstanden hatten, lernten sie die Zahl 10 zu schreiben. Wir haben 1 Zehnereinheit und 0 Einereinheiten. Um das zu verdeutlichen wurden die Zahlen von 1 bis 10 untereinander in das Heft mit den Karos geschrieben, so dass die 0 unter der 9 steht und die 1 der zehn alleine. Wenn die Idee der dekadischen Einheit verstanden wurde, sind die weiteren Zahlen nicht mehr schwer. 

 

Nun wurde von 11 bis 12 gezählt, mit Stäbchen und Bohnen (oder was auch immer). Vorwärts und rückwärts mit + und mit -. Immer zuerst zählen, dann schreiben, dann die Rechnung lesen. Dabei wurde bei Charlotte Mason von diesem Zeitpunkt an untereinander addiert und subtrahiert, damit die Kinder den Zehnerschritt wahrnehmen. 

 

Mit der Nummer 13 wurde gleichzeitig das Rechnen mit Geld eingeführt. Die Kinder bekamen die verschiedenen Arten von Münzen und lernten mit ihnen zu zählen und zu rechnen. Bei uns wäre das 5 1-Centmünzen sind eine 5-Cent Münze. 2 5-Cent Münzen sind eine 10-Centmünze oder 10 1-Centmünzen usw.

bis zur 1 Euromünze.

 

Die Kinder bekamen Geldbeutel und spielten Kaufmannsladen, dabei wurde immer darauf geachtet, dass man zb 6 Cent mit einer 5-Centmünze und einer 1-Centmünze bezahlen kann.

 

Wenn die Kinder das Konzept bis 13 verstanden hatten, zählten sie mit den Münzen weiter bis 20. Vorwärts und rückwärts. Die weiteren Zahlen bis 100 sind nun nicht mehr so schwierig zu zählen und wurden eher beiläufig gelernt.

Bei dem Schritt 10 war es wichtig zu warten, bis die Idee der Dekade verstanden wurde und 11, 12 und 13 waren auch noch so ein Knackpunkt. Sie rechneten lange mit dieser Zehnerüberschreitung und sie rechneten auch mit Zehnerbündeln. Eigentlich so, wie in unseren Schulbüchern.

 

Einen Artikel über das Multiplizieren nach Charlotte Mason findest du hier

 

....

 

So wurde bei Charlotte Mason gerechnet. Vielleicht waren hier ja Dinge dabei, die du gerne anwenden möchtest. Uns ist es wichtig, dass du verstehst, dass es bei Charlotte Mason darum geht, dass Kinder die IDEE hinter einem Konzept verstehen. 

 

Mathematik besteht ja aus mehreren Teilen: Zahlenlehre (Zahlen und Maße), Geometrie, Algebra und Statistik. 

 

Das österreichische Schulsystem weicht hier etwas ab, das macht gar nichts. Wenn ihr allerdings mit einem Buch arbeitet, dass die Themen wild durcheinander schmeißt, überlegt euch (in allen Schulstufen), ob es mehr Sinn macht, Thema für Thema abzuschließen. Also, erst Zahlenlehre, dann die Maßzahlen, dann Geometrie...

 

Wie du in der Zusammenfassung oben sehen kannst, geht es darum die Idee hinter einer Sache, einem Thema zu verstehen. Um das zu vermitteln, brauchst du nur über folgende Fragen nachzudenken:

 

- wozu ist es gut?

 

- wo ist der Anfang?

 

Erst wenn du dir selbst diese Frage beantworten kannst, bist du bereit das Thema zu unterrichten. Du musst selbst die Idee verstanden haben und wahrnehmen. 

 

- benutze kurze und klare Erklärungen

 

- traue deinem Kind etwas zu

 

- achte darauf, ob es Themen gibt, die man zusammenziehen kann, damit die Idee dahinter erkannt wird. (Ein Beispiel: ein halber Apfel = 1/2 Apfel = 0,5 Apfel. Wenn ihr euch genügend Zeit genommen habt, die Idee des dekadischen Systems zu verstehen, wird dein Kind auch das verstehen. Oder im Teilbereich Geometrie: nennen die Gerade immer als Gerade und nicht als Linie oder Strich etc..., später wird es eine Gerade sein...)

 

- halte die Einheiten kurz und achte auf die Aufmerksamkeit deines Kindes. 20 Minuten am Stück sind genug. Wir haben zb lieber zwei Mal 20 Minuten gemacht und dafür dazwischen etwas ganz anderes, wie Musik, Bildbetrachtung, oder zeichnen. 

 

- wenn möglich wähle am Anfang Aufgaben aus dem täglichen Leben. Wenn du dein Kind zb fragst wie alt es sein wird, wenn die kleine Schwester 5 Jahre alt ist, wird es sie mehr interessieren als die Frage wieviel ist 6+3?

 

- vergesst trotz allem nicht, euch an den Lehrplan des Buches von der Schule zu halten und übt, wenn dein Kind eine Idee verstanden hat, die Beispiele aus dem Buch, um gut auf die Prüfung vorbereitet zu sein. 

 

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Einige Texte in Anlehnung übersetzt und mit freundlicher Genehmigung  von                                                                                           Simply Charlotte Mason


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