Bildnerische Erziehung

Charlotte gab zu, dass es zu ihrer Zeit in Schulen ein uns bekanntes Problem gab, dass einige Fächer mit mehr Respekt behandelt wurden als die „Kunst“ (Vol. 6, S. 213). Kunst ist jedoch eine wunderbare Möglichkeit, Abwechslung in den Tag zu bringen und den Verstand und das Herz deines Kindes mit dem Guten, dem Schönen und dem Wahren zu nähren. Darum war es Charlotte wichtig, ihren Kindern Zeit einzuräumen, damit sie lernten, die Kunst der Mitschüler zu schätzen und auch ihre eigene Kreativität auszudrücken. Wir sollten das auch so handhaben.

Auch im Fach Bildnerische Erziehung gibt es einen inhaltsorientierten und einen fertigkeitsorientierten Teil. Wir vergessen zu oft - wenn wir ein Gemälde betrachten - wie viel Mühe, Arbeit und Übung hinter diesen Meisterwerk steht. Es heißt ja nicht umsonst, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.

Techniken kann man schulen, doch wie schafft man es, sein "inneres Bild", seine Gedanken und Gefühle - also das Unsichtbare - auszudrücken? Du übst das, wenn du mit der Methode Charlotte Masons arbeitest schon eine ganze Weile mit deinem Kind, bevor es mit dem Fach Bildnerische Erziehung in Berührung kommt. 

Du hast ja schon im Kindergartenalter begonnen, mit deinem Kind Beobachtungen in der Natur zu machen. Ihr seid in der Wiese gesessen, habt einen Ausschnitt de Natur betrachtet, die Augen geschlossen und erzählt, was ihr gesehen habt. Du hast mit deinem Kind in diesem Alter auch auf diese Art Bildbetrachtungen gemacht. Entweder mit den Bilderbüchern, die ihr gelesen habt, oder mit Gemälden oder Fotos. 

Du hast deinem Kind also beigebracht, wie es das, was es mit dem inneren Auge sieht, mit Worten beschreiben kann und das ist schon der erste Schritt.

Es war Charlottes Wunsch, den Kindern die Vielfältigkeit der Ausdrucksweise in der Kunst nahezubringen. Darum gingen sie in Museen und betrachteten viele Gemälde. In diesen Werken stellen Künstler ihre Ideen dar und durch das Betrachten treten die Kinder direkt mit dem Künstler in Kontakt. Es ist also nicht notwendig, dass wir uns hier einmischen, lasse deinem Kind Zeit. Es war auch nicht die Absicht von Charlotte Mason, einen Art Kurs über Kunstinterpretation abzuhalten und Kunstwerke zu kritisieren. Sie ermutigte ihre Kinder, jedes Werk genau anzusehen und sich sein eigenes Bild davon zu machen. Weil dieser Ansatz so einfach ist, musst du kein Experte sein, um das mit deinem Kind zu machen. Baue einfach eine Zeit von zehn oder fünfzehn Minuten ein, um einmal pro Woche ein Bild anzuschauen, und dein Kind wird ein geschultes Auge und einen neugieren Geist entwickeln.

Im fertigkeitsorientierten Teil des Unterrichts geht es um die Materialkunde und die Techniken. Du sollst deinem Kind im Fach Bildnerische Erziehung den richtigen Umgang mit dem Material beibringen, auch wenn es im Kindergartenalter noch viel experimentieren konnte. Es hat dadurch Erfahrungen gesammelt, die Technik muss es jedoch lernen. Die angewendeten Techniken in Kunst und Malerei sagen auch etwas über die Entwicklung der Menschheit aus - vergiss das nicht. Du kannst also sehr wohl in der Volksschule und auch in der Mittelschule den Künstler den du behandeln möchtest (und seine Technik) gemeinsam mit dem Geschichtsunterricht anbieten.

Wie studiert man ein Bild?

  • Wähle einen Künstler aus.
  • Zeig dem Kind ein Werk des Künstlers. Schaut es euch gemeinsam an, dann schließt die Augen und stellt euch jedes Detail auf dem Bild vor.
  • Dreh das Bild um, oder bedecke es mit einem Tuch und lass das Kind beschreiben, was es gesehen hat.
  • Schaut euch das Bild dann wieder an und redet über weitere interessante Details.
  • Stell das Bild während der ganzen Woche zuhause auf.

In der Woche darauf wiederhole den Prozess mit einem anderen Bild vom gleichen Künstler. Macht einmal pro Woche so eine Bildstudie, bis ihr sechs bis acht Bilder von einem Künstler genau angeschaut habt. Du kannst auch eine lebendige Biografie des Künstlers vorlesen und ihn im Jahrhundertbuch eintragen. Zum Schluss wirst du und deine Schüler eine gute Idee vom Stil des Künstlers haben und auch von den Ideen, die er in seinen Werken vermitteln wollte. Dann such einen neuen Künstler aus und gehe damit genau gleich vor.

Im Zuge dessen könnt ihr auch über den Stil des Künstlers reden. Wie hat er das gemalt? Mit welchen Materialen? Probiert diese Technik dann aus und fertigt eine eigene Interpretation des Gemäldes an.

Eine weitere Möglichkeit die Technik des Zeichnens zu lernen und das Auge zu schulen sind Naturstudien. Das Kind sucht sich den Gegenstand selbst aus. Ihr legt ihn auf einen Platz, wo er auch länger liegen bleiben kann - bis es fertig ist. Den einzigen Auftrag den das Kind bekommt, ist das zu zeichnen, was es sieht. Probiert das einmal aus.

Charlotte Mason ging im Kunstunterricht auch auf Keramiken und Architektur ein. Das findet bei uns eher im Geschichtsunterricht und beim Werken statt.

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