Ein Leitfaden

Sonja Schaefer empfiehlt auf ihrer Webseite folgende Punkte:

1. Benutze ein lebendiges Buch...

Es gibt einfach Bücher, die kann man nicht nacherzählen. Du merkst es sofort, wenn du so ein Buch erwischt hast. Ein lebendiges Buch berührt dich emotional beim Lesen. Ich habe erst vor kurzem so ein Buch gelesen. Es handelt von der wahren Geschichte eines jungen Mädchens, das schwimmend aus der DDR flüchtet. Sie schwimmt 50km durch die Ostsee und dieses Ereignis ist so eindringlich erzählt, dass ich beim Lesen zu schnaufen begann, als würde ich selbst dort schwimmen und ich konnte auch nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Ich spürte das kalte Wasser, ich spürte die Ungewissheit, wie weit es noch sei, die Hoffnung, dass sie das Zeil erreicht... ich war einfach mitten drin.

2. Schaue nach vorne und zurück...

Das wird wahrscheinlich sehr oft vergessen. Damit dein Kind gut nacherzählen kann, musst du zuerst das Vorwissen aktivieren - durch eine Wiederholung - und dein Kind auf das vorbereiten was kommt. Das kann eine Landkarte sein, auf der ihr die Stadt sucht, in der die Geschichte passiert; oder ein Foto auf dem ihr die traditionelle Tracht seht, die die Menschen dort tragen oder getragen haben; das können Fremdwörter oder Fachausdrücke sein, die dein Kind noch nicht kennt oder ein Name der in einer Fremdsprache ausgesprochen wird. All diese Dinge solltest du vor dem Lesen klären. 

Manchmal wird diese Phase auch das erste Gespräch genannt. Hier könntest du auch anhand der Lektüre eine Satzstruktur erklären, oder Wörter deklinieren... was auch immer du vor hast, hier ist die Zeit dafür.

3.  Lese die Textstelle ...

Jetzt liest du vor, oder dein Kind liest laut vor. Wenn du mehrer Kinder unterrichtest, kann man das Vorlesen auch aufteilen, oder dein Kind liest den Text leise. All diese Möglichkeiten stehen dir offen, du solltest aber vorher entscheiden, wie du diesmal vorgehen möchtest.

4. Das Nacherzählen ...

Du forderst ohne Zwischengespräch dein Kind auf, das Gehörte oder Gelesene nachzuerzählen. Dabei unterbrichst du es nicht (auch nicht mit "aha" oder "super"....) und wartest bis es fertig erzählt hat. Der wiedergegeben Inhalt wird nicht gewertet. Man sagt also nicht: "das war aber super", oder "da hast du aber gar nicht aufgepasst", ... sondern wir beginnen durch geschicktes Nachfragen, die Kinder auf den "richtigen" Weg zu bringen. Wenn du mehrere Kinder hast, kannst du das Nacherzählen einteilen, indem du sagst: "X fang doch einmal mit dem Anfang an und Y erzählt dann wie es weiter geht". Auch die Kinder lernen, dass wir den Erzähler und die Erzählerin nicht unterbrechen. Danach ist Zeit seine Sichtweise darzustellen. Dabei wird jedoch auch nicht gewertet. 

Dieses Nacherzählen nannte Charlotte Mason The Act of Knowing.

5. Die Diskussion...

Diese Diskussion wird auch gerne das zweite Gespräch genannt. Je nach dem welches Ziel du dir gesetzt hast, wird nun entweder die Idee des Textes durch ein Gespräch ergründet. Das wären so Fragen wie: "An dieser Stelle hat x dieses und jenes gemacht. Was hättest du an seiner Stelle getan?", oder auch ganz allgemein: "Was hältst du von dieser Geschichte?". Wenn es um ein Fachgebiet in Biologie oder Physik geht, wirst du eher nach einer logischen Reihenfolge fragen, nach Ursache und Wirkung und solchen Dingen.

Zum Schluss solltet ihr euch immer überlegen (und das ist jetzt nicht von SCM, sondern von Jason Barney) wie ihr den Wissenszuwachs festhalten möchtet. Soll ein Text geschrieben werden, der eine bestimmte Frage beantwortet, wie zb. "Welche Ereignisse führten dazu, dass der erste Weltkrieg ausbrach", oder soll eine Grafik gezeichnet werden? Soll das Ergebnis (vor allem in der Volksschule) gezeichnet werden oder macht ihr ein Lapbook dazu?

Ziele

Welches Ziel aus dem Fach, um das es geht, soll durch diese Narration erreicht werden?

Geht es darum einen Text zu interpretieren, einen Gedankengang nachzuvollziehen, eine Idee zu ergründen oder eine Argumentationsstruktur zu erarbeiten? 

Welche Teilbereiche sollen noch gefördert werden oder welche Fähigkeiten sollen neu erarbeitet oder gefestigt werden?

     1.     Einleitung – erstes Gespräch

Wir beginnen mit einer Wiederholung der letzten Einheit. Hinzu kommen Hintergrundinformationen, um dein Kind auf den Text gut vorzubereiten.

Eine Geschichtsstunde könnte beispielsweise beinhalten, dass dein Kind wichtige Orte auf einer Karte finden. 

In einer Deutschstunde könnte eine bestimmte Aufsatzform, Textsorten oder die im Buch dargestellte Lebenswelt besprochen werden. 

In einer naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunde könnte man die Bedeutung spezieller Wörter (Fachsprache) und anschaulicher Beispiele aus dem Text ins Gedächtnis rufen.

     2.     Lesen

Wie soll der Text gelesen werden? Das muss vorher gut geklärt sein.

● Du liest den Text ausdrucksvoll vor.

● Ihr lest den Text abwechselnd.

● Dein Kind liest den Text selbstständig und leise. 

     3.     Nacherzählung

Wie soll dein Kind den Text nacherzählen? 

Soll alles nacherzählt werden, oder nur ein bestimmter Teil davon?

● Unterrichtest du mehrere Geschwisterkinder und wird es nach der Narration die Möglichkeit geben, dass die Kinder sich gegenseitig ausbessern und ergänzen?

● Wenn du mehrere Kinder unterrichtest, soll einer nach dem anderen erzählen, so wie die Kinder sitzen, oder gibt es eine andere Reihenfolge?

● Soll die Nacherzählung schriftlich erfolgen?

      4.     Diskussion

Wie möchtest du die Diskussion anleiten?

● Durch gezielte Fragen

● durch das Suchen nach Konzepten oder Ideen

● Ist das Ziel, dass der Inhalt beherrscht werden soll?

Ergebnis

Wie soll der Wissenszuwachs festgehalten werden?

Mit einem Poster, einem Lapbook, schriftlich im Heft, als Referat oder als Zeichnung?