Umsteigen - Erste Phase

Die Grundlagen...

So, wir sprechen nun also über die erste Phase in dieser Übergangszeit zur Charlotte Mason Methode. Diese Phase nennen wir "Die Grundlagen". Wir stellen euch hier die zwei wichtigsten Eckpfeiler dieser Methode vor: die Narration und die Lebendigen Bücher. Diese zwei Elemente werdet ihr in der nächsten Zeit in eueren häuslichen Unterricht einbinden.

Lebendige Bücher

Wir fangen also mit den lebendigen Büchern an. Vielleicht hast du diesen Begriff schon einmal gehört, aber du weißt nicht genau was er bedeutet oder wo man diese Bücher findet oder auch, wie man so ein Buch als lebendiges Buch identifiziert. Am einfachsten ausgedrückt ist ein lebendiges Buch ein Buch, das ein Thema oder eine Idee  zum Leben erweckt. Es befeuert deine Vorstellungskraft; es berührt dich emotional; es gibt dir das Gefühl, als würdest du neben der Person von der hier erzählt wird leben, oder als würdest du an dem beschriebenen Ereignis teilnehmen. So ein Buch bezeichnen wir als lebendiges Buch.

Wir zeigen dir anhand einiger Beispiele was wir damit meinen. Bei diesen Beispielen handelt es sich um Biografien über das Leben von Einstein und beide wurden für Kinder zwischen acht und zehn Jahren geschrieben. Wenn du die beiden Abschnitte durchliest wirst du mit Sicherheit den Unterschied zwischen einem reinen Lehrbuch und einem lebendigen Buch erkennen.

Hier zuerst die Lehrbuchversion:

Einstein war ein Wissenschaftler während des frühen 20. Jahrhunderts. Einige der größten Entdeckungen und Theorien der Wissenschaft hat er herausgefunden. Man bezeichnete ihn als einen der intelligentesten Menschen des 20. Jahrhunderts. Sein Name und sein Gesicht werden von den Medien oft benutzt, um zu zeigen, wie ein Wissenschaftler aussieht.

Nun lest euch die ersten paar Zeilen eines lebendigen Buches durch:

Hast du dir jemals vorgestellt, wie es sich anfühlen würde, wenn man auf einem Lichtstrahl reiten könnte? Am Anfang des 20. Jahrhunderts lebte ein Mann, der darüber nachgedacht hat. Eigentlich hat er über ziemlich viele Dinge nachgedacht und wohin ihn dieses Nachdenken geführt hat, wirst du nun erfahren. (...)

Im Jahr 1905 befand sich  Albert Einstein in einem Büro in der Stadt Bern, einer Stadt in der Schweiz, wo er als Büroangestellter in einer Abteilung für Patente arbeitete. Dort half er Erfindern ihre Papiere auszufüllen, damit sie die Dinge die sie erfunden haben selbst besitzen und niemand anderer diese als seine Erfindung ausgeben konnte. Er tippte diese Formulare ab und sortierte sie ein, er unterhielt sich mit seinen Kollegen vom Büro nebenan und aß jeden Tag sein einfaches Mittagessen an seinem Schreibtisch. Wenn der Abend hereinbrach, ging er nach Hause und begrüßte seine Frau und seinen neugeborenen Sohn und aß mit ihnen das Abendessen. Da gab es Rindfleisch und Kartoffeln oder Erbsensuppe und Kohl.

Doch während dieser ganzen Zeit, in der er eigentlich ganz normale, gewöhnliche Dinge verrichtete, waren seine Gedanken ganz wo anders. Auch wenn er plauderte, tippte oder aß, dachte er die ganze Zeit über das Licht und die Zeit nach. (frei übersetzt aus Stories of Nations Volume 2, "On a beam of light" von Lorene Lambert)

Jetzt hast du den Unterschied selbst erkannt, da sind wir uns sicher. Beim zweiten Beispiel hat man doch das Gefühl, als würde man neben Albert Einstein stehen. Du kannst die Handlung vor deinem inneren Auge sehen. Du kannst sie dir vorstellen. Das ist ein lebendiges Buch.

Wir möchten jetzt, dass du im häuslichen Unterricht mit lebendigen Büchern arbeitest. Nur in zwei Fächern, das ist leicht. Benutze eines für den Geschichtsunterricht und eines für euer Bibelstudium.

Das mit der Bibel ist einfach, denn die Bibel ist ein lebendiges Buch. Du kannst die Berichte lesen, die in Erzählform geschrieben sind: die Geschichte von Adam und Eva, die Geschichte von Noah, die Geschichte von Jakob und Joseph, die Geschichten über das Leben von Jesus, die Geschichte über den Anfang der Gemeinden. Diese Berichte sind lebendige Bücher, lebendige Erzählungen, lebendige Geschichten.

Das machst du dann auch in Geschichte. Suche dir ein lebendiges Buch, das von der Epoche handelt, über die ihr gerade lernt. Du kannst euer Schulbuch immer noch benutzen. Durch das lebendige Buch wird diese Epoche, über die ihr gerade lernt lebendig. Mit der Zeit wird es dir immer leichter fallen diese Bücher im Unterricht zu benutzen, denn sie halten sich ja auch an die Fakten; diese werden in lebendigen Bücher jedoch als lebendige Ideen dargestellt und das macht den Unterschied.

Schau einmal in unserer Bücherliste nach, vielleicht ist etwas für dich dabei. Sonst kannst du uns auch schreiben.

Narration

Da du nun in Geschichte und im Bibelstudium ein lebendiges Buch benutzt, bist du bereit den nächsten Schritt zu gehen. Anstatt deine Kinder über das Gelesene abzufragen, möchten wir, dass du die Narration einsetzt. Eine Narration ist keine Nacherzählung, darum nennen wir sie auch nicht so. Bei der Narration geht es im ersten Schritt darum, dass das Kind das Gehörte mit eigenen Worten nacherzählt.

Das heißt jetzt nicht, dass das Kind das Gehörte wie ein Papagei wiedergibt, sondern eher "im Sinne des Autors". Wenn wir dem Kind nach dem Hören oder Lesen Fragen stellen, engen wir das Denken zu sehr ein und das möchten wir nicht. Es ist notwendig, dass das Kind aufmerksam zuhört - denn es wird nur einmal gelesen - damit es alles aufnehmen kann, sich erinnert, das Gehörte mit anderen bereits Gehörten Inhalten verbindet, es in eine korrekte Reihenfolge bringen kann und dann noch selbständig Sätze bildet. Charlotte Mason nannte die Narration auch einen "mündlichen Aufsatz".

Ein Handout zum Ausdrucken findest du hier: Handout Narration. Das einzige, das du zu tun hast ist, einen kurzen Abschnitte zu lesen und das Kind das Gehörte mit eigenen Worten erzählen zu lassen.

Wir empfehlen dir mit kurzen Absätzen anzufangen! Kinder erzählen gerne, wenn sie zum Beispiel etwas Aufregendes erlebt haben. Wenn euer Kind an etwas interessiert ist, wird es euch vollschwatzen. Wir möchten den Kindern diese natürliche Fähigkeit jedoch als Lernhilfe zur Seite stellen. Darum: haltet euch kurz.

Lest am Anfang nicht gleich ein ganzes Kapitel; lest einen Absatz oder zwei und lasst das Kind erzählen. Schaut auf die Uhr und entscheidet, ob ihr noch einen Absatz durchmachen könnt. Die ganze Einheit sollte jedoch nicht länger als 20 Minuten dauern. Mit der Zeit könnt ihr dann die Zeitspanne verlängern, aber das dauert.

Das sind also die Aufgaben für den Start: Nutze lebendige Bücher und die Narration in zwei Fächern. Das ist alles. Das schaffst du!

Danach kommt Phase 2; aber keine Eile, lass dir soviel Zeit wie du brauchst.