Phase 2: Einmal pro Woche...

Wir haben das letzte Mal darüber geredet, wie man mit der Charlotte Mason Methode anfangen kann. Wir haben dabei die Phase 1: Die Grundlagen besprochen. Nun gehen wir zur Phase 2 über: Einmal pro Woche. Dies Phase umfasst fünf Fächer, die du einmal pro Woche machst, das ist nicht schwer. Du kannst dir einfach eines für jeden Tag der Woche aussuchen. Wir reden hier von 5 - 10 Minuten Zeitaufwand, das ist also wirklich nicht schwierig.

Fach #1: Die Bildbetrachtung

Das erste Fach, das wir nun hinzufügen - einmal pro Woche - ist also die Bildbetrachtung. Lasst euch von dem Namen nicht in die Irre führen. Dieses Fach ist eine tolle Möglichkeit euren Kindern Kunst näher zu bringen und es bringt auch noch Abwechslung in eueren Tagesablauf. Sucht euch einen Künstler aus - zum Beispiel Vermeer - und zeigt euerem Kind ein Bild das er gemalt hat. Lasst das Kind das Gemälde so lange betrachten, bis es dieses vor seinem inneren Auge sehen kann. Wenn es jetzt die Augen schließt, kann es sich das Bild mit seinen Details vorstellen. Wenn es also fertig ist, decke das Bild ab und lass das Kind das Bild beschreiben. Wenn das Kind mit der Beschreibung fertig ist - wie immer, wir unterbrechen das Kind nicht! - decke das Bild wieder auf und betrachtet gemeinsam, ob die Beschreibung auf dieses Gemälde zutrifft. Hänge das Bild für den Rest der Woche auf. In der nächsten Woche nehmt ihr ein weiteres Gemälde vom selben Künstler. Das macht ihr zwölf Wochen lang. Ihr schaut das Bild an, verdeckt es, beschreibt es und schaut es noch einmal an. Nach ungefähr sechs bis acht Bildern, hat euer Kind schon ein gute Gefühl für den Stil dieses Künstlers. Zusätzlich könnt ihr in diesen zwölf Wochen auch eine lebendige Biografie des Künstlers lesen und darüber eine Narration machen. Das ist die Bildbetrachtung und die ist gar nicht schwer, oder? Es dauert nur fünf bis zehn Minuten, einmal pro Woche.

Fach #2: Das Musikstudium

Das zweite Fach ist dem ersten recht ähnlich. Wir suchen uns wieder einen Komponisten an und hören und zwölf Wochen lang seine Stücke an. Spielt die Musikstücke im Hintergrund während der gesamten Woche immer wieder ab. Sagt dem Kind einfach wie der Komponist heißt: "Wir hören jetzt Bach". Ihr könnt die Musik während der Mahlzeiten spielen, beim Aufräumen oder beim Zu-Bett-gehen. Einmal pro Woche hört ihr euch ein Stück dann bewusst an. Ihr könnt den Kindern Tücher geben, damit sie sich zur Musik bewegen können, wenn sie das möchten. Sie können ihre Sinneseindrücke auch als Bild darstellen. Vielleicht möchten sie zu diesem Stücke auch eine Geschichte schreiben, das ist ok. Ihr könnt sie auffordern die lauten Passagen des Stückes herauszuhören, oder bestimmte Instrumente. Das macht ihr einmal pro Woche. Auch hier könnt ihr während diese Zeit eine lebendige Biografie des Komponisten vorlesen und dazu eine Narration machen.

Fach #3: Lyrik

An einem anderen Tag in dieser Woche beschäftigt ihr euch mit Lyrik. Wenn du mit Lyrik nicht wirklich vertraut bist, liegt das vielleicht an der Art und Weise wie du Lyrik in der Schule kennengelernt hast. Es kann sein, dass dir vorgekommen ist, dass die Gedicht seziert und zerkleinert wurden, bis man sich nicht mehr auskannte. Jede Freude, die du an der Wortwahl des Poeten gehabt hättest wurde durch die Gedichtanalyse ausgelöscht. So hat Charlotte Mason aber nicht unterrichtet. Sie wollte, dass wir uns an der Wortspielerei des Poeten erfreuen. Sucht euch also einen Dichter aus und beschäftigt euch das ganze Jahr mit ihm. Lest einmal pro Woche gemeinsam mit dem Kind ein Gedicht und genießt es. Wenn sich das Gedicht dazu eignet ein Bild zu malen, dann macht das. Ihr könnt das Gedicht auch als Schauspiel darstellen, wenn das geht. Wenn ihr das möchtet, könnt ihr auch einmal ein Gedicht auswendig lernen. (Wenn das der Fall ist, solltet ihr euch an einem zweiten Tag in der Woche Zeit nehmen das Gedicht auswendig zu lernen und vorzutragen.) Grundsätzlich reicht es, wenn ihr einmal pro Woche ein Gedicht lest.

Tip: Das Jahrhundert-Buch

Das Jahrhundert-Buch hilft euch einen Überblick über alle Komponisten, Künstler und sonstige Personen zu bekommen, die ihr im Unterricht durchgenommen habt. Ganz einfach gesagt ist ein Jahrhundert eine Zeitleiste in Buchform. Jede Doppelseite stellt hundert Jahre dar, also ein Jahrhundert. Daher der Name. Wann immer ihr also im Fach Geschichte über eine Person oder ein wichtiges Ereignis hört oder lest, schlagt euer Jahrhundert-Buch im richtigen Jahrhundert auf und tragt es ein. Wenn ihr euch mit einem bestimmten Dichter befasst, schlagt das Buch auf und tragt ihn ein. Das gleiche gilt für alle Fächer in euerem häuslichen Unterricht. Wenn dein Kind also eine Person in das Jahrhundert-Buch einträgt, sieht es, dass zur selben Zeit eine andere Person, die es schon kennt gelebt hat und es kann eine Verbindung herstellen. Auch Jahre später; das Buch behaltet ihr über die gesamt Zeit des häuslichen Unterrichts. Die Entdeckungen die dein Kind hier macht, sind oft sehr nachhaltig, weil es diese Entdeckung selbst gemacht hat.

Ein Beispiel für ein Jahrhundert-Buch könnt ihr hier finden: Jahrhundert-Buch (Link kommt noch)

Hier noch ein kleiner Tip: wenn ihr mit dem Jahrhundert-Buch beginnt, lasst das Kind zuerst seinen eigenen Geburtstag eintragen. So wird das Kind in der Geschichte verankert. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch alle Geburtstage der Familienmitglieder eintragen.

Fach #4: Die Naturstudie:

Lasst uns nun über das vierte Fach reden, die Naturstudie. Naturstudie bedeutet einfach, dass ihr hinausgeht und Gottes Schöpfung beobachtet. Geht mit dem Kind hinaus und nehmt einen Zeichenblock oder ein Skizzenheft mit - jeder von euch. Die Dinge, die euch auffallen, die ihr beobachtet, zeichnet ihr auf oder beschreibt, was ihr gesehen habt, oder ihr macht beides. Das Naturbuch ist etwas sehr persönliches, ihr solltet das Naturbuch eures Kindes keinesfalls korrigieren oder bewerten. Wir würden euch auch davon abraten, eine bestimmte Formvorlage vorzuschreiben. Begleitet euer Kind einfach, wenn es in Beziehung mit seiner Umwelt tritt. Im Naturbuch werden diese Beobachtungen einfach festgehalten und später sind sie ein großer Schatz.

Wenn es erforderlich ist - für den Lehrplan zum Beispiel - könnt ihr natürlich ein Thema vorgeben. Das muss aber nicht sein. Man kann sich auch einen bestimmten Baum ansehen und diesen über eine gewisse Zeit beobachten. Ihr könnt Vögel beobachten oder Spinnennetze, Wasserproben sammeln und vergleichen, ... euch fällt da bestimmt selbst etwas ein. Wichtig ist nur, dass das Kind draußen ist und selbst eine Beziehung zur Natur die es umgibt aufnimmt und dies im Naturbuch festhält.

Fach #5: Geografie:

Das letzte Fach in dieser Reihe ist Geografie. Dieses Fach kann man sehr gut in Verbindung mit lebendigen Büchern und Kartenarbeit erlernen. 

Es gibt zwei tolle Bildbände in englischer Sprache, die ihr online ansehen könnt. Das erste Buch heißt Material Worlds. In diesem Bildband zeigt der Fotograf Peter Menzel Familien mit ihren Besitztümern. Durch das gemeinsame Betrachten dieser Fotos kann man kulturelle Unterschiede gut erkennen, ohne zu bewerten. Das ist Geografie im eigentlichen Sinn. Auch das andere Buch, es heißt Hungry World, ist vom gleichen Fotografen und zeigt Familien auf der ganzen Welt und die Lebensmittel, die sie essen. Für Kinder zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr bieten diese Bildbände einen guten Einstieg in das Fach Geografie, als Ausgangspunkt für weiter Erkundigungen. Später dienen sie als Grundlage, um das Land, über das wir lernen, aus einer anderen Sichtweise heraus zu verstehen und zu betrachten, nämlich so, wie die Einwohner sich selbst sehen. In dem pdf für Hungry World könnt ihr auch das Lieblingsessen der Familien unter den Fotos sehen. Vielleicht habt ihr Lust diese Rezept zu suchen und nach zu kochen? 

Kartenarbeit macht viel Sinn. Bevor wir uns mit Charlotte Mason befasst haben, empfanden wir es eher als Last. Das ist sie aber auf keinen Fall. Durch die Kartenarbeit lernen Kinder sich zu orientieren. Lernt euren Kindern die Karten zu lesen: wo gibt es Seen und Flüsse; liegt dieses Land am Meer; gibt es dort Berge oder ist es eher flach; wieviel Grünfläche gibt es dort; ... Ihr könnt mit der Kartenarbeit ab der zweiten Klasse starten, wenn die Kinder schon lesen. Fangt mit einer Karte eurer Region an und beginnt die Nachbarschaft mit der Karte zu erkunden. Wo sind wir? Wo sind wir schon gewesen? In welchen Bundesland, welcher Provinz leben wir? Was ist in der Nachbarschaft? Ab der dritten Schulstufe könnt ihr stumme Karten dazu nehmen und das Kind benennt die Regionen, Bundesländer, Provinzen, wie auch immer. Fangt aber bei euch zu Hause an. Auch im Zeitalter der Digitalisierung (oder vielleicht gerade da) macht es viel Sinn zu wissen "wo man ist", Orientierung zu haben. Vielleicht habt ihr jetzt gerade die Idee bei der nächsten Geburtstagsfeier eine Schatzsuche mit Karte zu veranstalten? Super Idee! Vielleicht kann die Karte ja das Geburtstagskind selbst anfertigen?

Das Fach Geografie lässt sich auch in den anderen Fächer immer wieder einbinden. Schaut euch an, wo der Komponist, der Künstler gelebt hat. Lasst das Kind das Land selbst auf der Karte finden, dann sieht es auch wie nah oder wie fern dieses Land ist und wenn ihr ein lebendiges Buch über diese Person in diesem Land lest, bekommt das Kind eine Vorstellung wie es dort ist.

In dieser zweiten Phase integrieren wir also fünf Fächer... puh, ganz schon viel. Du machst aber nur eines am Tag und das für 5 - 10 Minuten, also doch nicht so schwer, aber ausbaufähig. Schau einfach, wie es euch damit geht und mache es in eurem Tempo. Wenn du dich dadurch gestresst fühlst, alle Fächer auf einmal zu machen, dann nimm  in der ersten Wochen 2 Fächer und dann immer eines dazu? Wir sind uns sicher, dass du das schaffen kannst.

Wenn du dich sicher genug fühlst, gehe weiter zu Phase 3.