Geschichte

Viele von uns haben aus ihrem Geschichtsunterricht nicht viele Dinge mitgenommen. Wir haben ihn "über uns ergehen lassen", haben Jahreszahlen auswendig gelernt und für die Prüfung ausgespuckt, aber gelernt - richtig für das Leben gelernt - haben wir eigentlich nichts.

Charlotte Mason (nachzulesen im Band 6 S. 169 - 180) unterstreicht die Wichtigkeit des Geschichtsunterrichts, wenn sie sagt: es ist wichtig über vergangene Dinge Bescheid zu wissen, um das heutige Geschehen richtig einordnen zu können - Wow.

Sie merkt auch an, dass in der Schule (damals und heute) ein Geschichtsunterricht, der mehr bietet als ein paar Eindrücke und Meinungen aus vergangenen Tagen, oft aus Zeitmangel nicht möglich ist.

Ihre Methode den Geschichtsunterricht anzugehen vervielfacht jedoch den Faktor Zeit, das sagt sie selbst. Sie sagt: junge Menschen sind sehr interessiert an Geschichte ... WENN man ihnen das richtige Buch in die Hand gibt.

Sie merkt auch an (und das ist wirklich ein bisschen hart..): zielgerichtete und ausdauernde Aufmerksamkeit ist eine natürliche Fähigkeit, die wir besitzen und deshalb kann sie NIE anstrengend sein oder zu Müdigkeit führen. Das Problem ist vielmehr, dass wir ständig unsere Aufmerksam schweifen lassen und sie immer wieder um lenken müssen, um bei der Sache zu bleiben. Das ermüdet.

Ab einem Alter von 6 Jahren sollten Kinder in der Lage sein 40 Seiten aufmerksam und sinnesfassend zu lesen. Die verwendete Literatur sollte ein geschichtliches Thema behandeln, literarisch wertvoll sein und das Buch sollte auch reich illustriert sein. Dieses Buch wird nun Absatz für Absatz EINMAL gelesen und nach jedem Absatz nacherzählt. Wenn das Kind erzählt, unterbrechen wir es nicht! Nach dem erzählen können wir, wenn etwas fehlt oder nicht richtig war, diese Dinge korrigieren (bei Charlotte Mason machten das die anderen Kinder im Unterricht). Die Aufgabe des Erwachsenen ist es durch seine Anwesenheit Ermutigung und Interesse auszudrücken, die Kinder ab und zu mit Worten zu motivieren und auch, wenn es gut passt ein Bild herzuzeigen. Denn, wie schon zuvor bemerkt: was auch immer ein Kind oder ein Erwachsener erzählen kann, das weiß er oder sie und wenn er oder sie etwas nicht erzählen kann, weiß er oder sie es auch nicht.

Es macht absolut keinen Sinn Absätze, Merksätze oder Zahlen auswendig zu lernen, denn das Auswendiglernen erfordert viel Geschick, viele Wiederholungen und während dieser Zeit "denken" die Lerner*innen oftmals über andere Dinge nach, das Gehirn arbeitet also nicht wirklich am Auswendiglernen. Wenn man jedoch einen Absatz mit voller Aufmerksamkeit liest und dann erzählt, was man gelesen hat, hat das seltsamer Weise eine ganz andere Wirkung. M.Bergson nennt diesen Unterschied "word memory" und "mind memory", das heißt, die Information wird in einem anderen Gedächtnis abgespeichert. 

Durch das Nacherzählen, die Narration stellen wir uns eine Szene vor, wir werden von Argumenten überzeugt, erfreuen uns an den Wendungen der Geschichte und bilden dadurch unsere eigene .... sie wird buchstäblich ein Teil von uns, wie das Abendessen von gestern.

Ab dem siebten Lebensjahr werden zusätzlich zu diesem Buch kurze Biografie von wichtigen Personen der Historie, die in diesem Buch vorkommen, gelesen und nacherzählt.

Ab der 3. Klasse Volksschule, also mit ungefähr 9 Jahren beginnen wir uns mit der Geschichte unseres Landes auseinanderzusetzen. Die Anzahl der zu lesenden Seiten wird auf 50 Seiten erhöht. Gleichzeitig hat Charlotte Mason mit den Kindern auch das Tagesgeschehen aus anderen Ländern durchgenommen.

In der Mittelschulzeit begann sie dann den Kindern das Altertum näher zu bringen. Dazu besuchten sie auch das Museum, um eine Vorstellung der vergangenen Zeit zu bekommen. Zu dieser Zeit begannen die Kinder auch mit dem Jahrhundertbuch zu arbeiten. Das war anfangs ein Buch in das die Kinder Objekte, Kunstwerke, Dinge des täglichen Lebens, usw. die sie gesehen hatten zeichneten. Der Besuch im Museum machte den Geschichte Unterricht sehr wertvoll für die Kinder, sie freuten sich sehr darauf.

Ab der dritten Klasse Mittelschule lasen die Kinder 20 - 30 Seiten mehr und arbeiteten weiter an der Geschichte ihres Landes, der Altertums und Europas.

Charlotte Mason schreibt, dass es für Lehrpersonen sehr schwierig ist, gute Bücher zu finden!!

Wenn sie die Geschichte eines Landes erarbeiteten, lernten sie gleichzeitig in über die geografischen Gegebenheiten im Fach Geografie.

Wenn möglich, wurde der Unterricht durch Novellen, Stücke, Biografien, Gedichte, Architektur und Kunst dieser Epoche ergänzt, um den Kinder zu zeigen was die Menschen dieser Zeit hervor brachten, denn die Gegenwart wird durch den Reichtum der vergangen ist bereichert.

Den größten Fehler im Unterricht machen wir, wenn wir es nicht schaffen den Geschichtsunterricht, umfassend, anspruchsvoll und interessant zu gestalten. Denn wenn jedes Kind in diesem Land eine liberale, reichhaltige geschichtliche Nahrung erhalten würde, würde das seinen Entscheidungen Gewicht verleihen, seine Handlungen wären rücksichtsvoller und es wäre ausgeglichener.

Das heißt für uns:

Wir fangen mit der Geschichte unseres Landes an. Das ist übrigens auch im Lehrplan der Volksschule so vorgesehen. Wir lesen Geschichten von vergangenen Zeiten und großartigen Menschen die hier früher gelebt haben, schauen uns passende Gemälde an, die das Leben von damals widerspiegeln, hören Musik, die zu dieser Zeit komponiert wurde und gehen ins passende Museum. Gleichzeitig lernen wir im Fach Geografie die Bundesländer und ihre Wahrzeichen und Hauptstädte, wir lernen über die angrenzenden Bezirke und die Stadt in der wir leben, indem wir uns das ansehen.

Eine Liste guter Bücher findet ihr hier.

"Lebendige" Bücher

"Lebendige" Bücher sind in vielen Fächern das A und O im Unterricht nach der CM-Methode. Ein lebendiges Buch ist ein Buch, in dem das Thema lebendig wird. Gewöhnlich wurde es von einem Autor verfasst, der eine Leidenschaft für ein bestimmtes Gebiet hat und dem es nicht darum geht Fakten zu veröffentlichen. Ein lebendiges Buch berührt unsere Emotionen und entfacht unsere Vorstellungskraft;  so wird es möglich, sich die Geschehnisse buchstäblich vor Augen zu führen. Die Historie wird natürlich faktenbasiert dargestellt, kleidet diese Fakten jedoch in lebendige Ideen, mit denen du in Beziehung treten kannst.

Nacherzählen / Narration

Du liest also einen Abschnitt aus einem lebendigen Geschichtsbuch vor, oder läßt dein Kind den Abschnitt selber lesen. Und dann? Dann lass das Kind erzählen was es gelesen bzw. gehört hat. Dein Kind erzählt mit seinen eigenen Worten und du unterbrichst dein Kind nicht dabei. Das heißt, du fragst nicht nach, wenn dein Kind erzählt, oder korrigierst es. Das kannst du nachher machen. Das Nacherzählen erfordert viel mehr Konzentration, als das richtige Kreuzchen bei einem Multiple Choice Test zu machen.

Wenn dein Kind mit dem Erzählen fertig ist, kann du noch spezifische Fragen zum Text stellen, wenn zb eine Sache ausgelassen wurde. Du kannst auch Fragen zum Text stellen wie: "Wie findest du das Verhalten von XY,was hättest du an seiner Stelle getan?"

Beim Nacherzählen bringst du das Kind im Grunde dazu, sich voll zu konzentrieren und einen Bericht zu verfassen.

Das Nacherzählen mag dir einfach erscheinen, versuche es darum einmal selbst. Charlotte ermutigte Erwachsene in ihrer Elternschule, dies tun, um zu sehen, welches Potential diese Methode hervorbringen kann. Darum wandte sie diese Methode auch in fast allen Fächern in ihrem Unterricht an. Detaillierte Erklärungen dazu gibt es hier.

Das Jahrhundertbuch

Ein anderes Mittel, das Charlotte im Geschichteunterricht verwendete, war das Jahrhundertbuch. Es ist mehr oder weniger eine Zeitleiste in einem Buch, oder einer Ringmappe. Du kannst auch ein dickes DinA4 Heft ohne Linien benutzen. Wenn du über Ereignisse und Leute liest bzw. deinem Kind davon erzählst, dann wird das auf der entsprechenden Seite der Zeitleiste eingetragen. Eine Doppelseite stellt jeweils ein Jahrhundert dar, daher der Name. 

Das Tolle an dieser Sache ist, dass das Gehirn sofort eine Verbindung herstellt, wenn man eine Person auf eine Seite dazu fügt, auf der schon eine andere Person vorhanden ist: „Aha. Der lebte zur gleichen Zeit wie YZ.“ Wenn dein Kind solche Zusammenhänge für sich selbst begreift, wird das tief im Gehirn verankert. Ein sogenanntes Jahrhundertbuch wird deinem Kind am meisten helfen, solche Zusammenhänge zu begreifen.

Wenn die Kinder alt genug sind, sollte jedes sein eigenes Jahrhundertbuch haben. Charlottes Schüler erhielten ihr eigenes im Alter von 10 Jahren. Davor kann man eines für die ganze Familie verwenden.

Eine Jahrhundertbuch-Vorlage zum Ausdrucken gibt es hier.

Unterrichtstipp

Charlotte empfahl den Geschichtsunterricht in chronologischer Reihenfolge abzuhalten, was sinnvoll ist, weil das, was geschah, oft auf Ursache und Wirkung basierte. Achte darauf, dass du im Geschichtsunterricht fortlaufend vorgehst. Unser Lehrplan in Österreich ist genau so aufgebaut.

Charlotte plädierte auch dafür, natürliche Zusammenhänge wie sie zum Beispiel zwischen Geschichte und Geographie bestehen zu beachten und im Unterricht zu behandeln. Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich auch in allen anderen Fächern auf die Geschichtsperiode, in der man sich gerade befindet, beschränken muss. Du kannst dir Künstler aus verschiedenen Epochen aussuchen. Wichtig ist nur, dass dein Kind sie in das Jahrhundertbuch einträgt. Wenn du dann in Geschichte später zu dieser Epoche kommst, wird das Kind sich an den „Freund von früher“ erinnern, wenn es ihn im Jahrhundertbuch sieht.

Ganz egal, ob Geschichte dein Lieblingsfach ist oder ob du das meiste, was du in Geschichte gelernt hast, wieder ganz vergessen hast, du kannst dich freuen, wenn du siehst, wie Geschichte im häuslichen Unterricht durch die tollen CM-Lehrmethoden wieder ganz lebendig werden kann.

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