Die Charlotte Mason Methode

Die Charlotte Mason-Methode basiert auf Masons festen Glauben, dass das Kind eine Person sei und wir die ganze Person formen müssen, nicht nur ihren Intellekt. die Erziehung und Bildung nach Charlotte Mason ruht daher auf drei Säulen: “Erziehung und Bildung ist eine Atmosphäre, eine Disziplin, ein Leben.”

Eine Atmosphäre, eine Disziplin, ein Leben

Mit Atmosphäre meint Charlotte Mason das Klima, die Umgebung, in der das Lernen stattfindet. Es geht hier sowohl um eine gute Vorbereitung des Raumes und des Materials, als auch um das Gesprächsklima im Unterricht und in der Freizeit. Da Charlotte Mason das Lernen nicht auf das schulische Lernen begrenzt, zieht sich diese Atmosphäre über den gesamten Tag. Ein Vorteil für Familien im häuslichen Unterricht. Kinder entwickeln sich gemäß ihrer Anlagen in ihrem individuellen Umfeld. Dessen war sich Charlotte Mason schon bewusst.

Disziplin umfassen all jene Fähigkeiten und Fertigkeiten, die wir für ein gelingendes Leben benötigen. Es geht darum, dass wir oft Dinge tun müssen, die uns im Moment gar keinen Spaß machen, die aber trotzdem gemacht werden müssen. Es geht auch darum, wie wir gute Entscheidungen treffen und was eine gute Entscheidung für mein Leben ist.  Ihr seht, bei Charlotte Mason geht es nicht nur um die Kinder, sondern auch um uns Erwachsene.

Wenn Charlotte Mason sagt, dass Erziehung und Bildung ein Leben ist, meint sie damit zwei Dinge. Einerseits bedeutet das, dass wir unser ganzes Leben lang lernen, von Geburt an und auch, dass dieses Lernen nie aufhört. Andererseits bedeutet das auch, dass das Lernen lebendig sein soll. Darum werden, wenn wir nach der Methode von Charlotte Mason unterrichten, keine Fakten vermittelt, sondern versucht, die Ideen, die hinter einer Sache stehen (im platonischen Sinn) zu ergründen.

Lebendige Methoden

Charlotte Masons Schüler benutzten zum Beispiel lebendige Bücher anstelle der damals trockenen Schulbücher. Lebendige Bücher sind in erzählerischer Form oder als Geschichte verfasst und wurden oder werden normalerweise von einem Autor geschrieben, der eine Leidenschaft für ein bestimmtes Thema hat. Durch ein lebendiges Buch wird ein Thema quasi lebendig.

Die Kinder gaben dann das Gehörte oder Gelesene im Sinne des Autors wieder - also mit seinen oder ihren Worten - oder sie erzählten es mit eigenen Worten um es in ihrem Gedächtnis zu verankern. Ausfüllen von Lückentexten und "Multiple Choice Fragen" gab es nicht. Sie erwarben einen großen Wortschatz, wenn sie die Ideen zu beschreiben versuchten, die sie im Text herausgefunden hatten und diese auch mit bereits vorhandenem Wissen aus anderen Themenbereichen verbanden und dadurch verinnerlichten.

Anstelle von sinnlosen Wortlisten benutzte Charlotte Mason Sätze oder Wortpassagen aus Büchern, die wertvolle Ideen vermittelten.

Sie forderte die Kinder auf, viel Zeit im Freien zu verbringen,  selbst mit Gottes Schöpfung in Beziehung zu treten und aus den lebendigen Vorgängen in der Natur zu lernen.

Sie stellte ihren Schülern die Werke großartiger Künstler und Komponisten vor und gab ihnen Zeit, diese Werke kennenzulernen und mit ihnen in eine persönliche Beziehung zu treten.

Sie bereitete vor  ihren Schülern ein "Festmahl" von Ideen aus verschiedensten Quellen aus – angefangen von Shakespeare, über Stricken, über das Bibelstudium, zum Erkunden von Fluss und Feld, zur Algebra, zum Singen, bis hin zum Erwerb von Fremdsprachen. Dabei ermutigte sie die Kind immer wieder mit voller Aufmerksamkeit dabei zu sein und das Beste in diesem Moment zu geben, wobei es ihr sehr wichtig war, dass wir nur um des Lernen Willens lernen.

Dies alles, um den Kindern Wachstum zu ermöglichen; denn wir lernen zu wachsen.

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass viele Familien, die im häuslichen Unterricht ihre Kinder ganzheitlich bilden wollen, die Philosophie und die Methoden von Charlotte Mason anwenden.